Pressegespräch
zum 2. Österreichischen Interdisziplinären Palliativkongress in Salzburg

Zeit: Dienstag, 5. Dezember, 11.00 Uhr

Ort: Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Salzburg, Salzburg, Hellbrunnerstraße 34, 1. Stock, Senatssitzungssaal

Themen: Das Ende des Lebens – neues Bewusstsein in der Gesellschaft ist gefragt. Leiden lindern, aber wie? Was kostet das Sterben? Palliativmedizin – eine Medizin der Menschlichkeit, eine eindeutige Absage an die aktive Sterbehilfe!
Unter dem Motto „Palliativmedizin – eine Brücke“ bietet die Veranstaltung in rund 100 Vorträgen, Workshops und Poster Einblick in den aktuellen Stand der Betreuung von Schwerstkranken am Ende des Lebens. Medizin- und Pharmafirmen und Einrichtungen wie das Österreichische und Salzburger Hilfswerk, die Salzburger Krebshilfe, der Dachverband Hospiz Österreich, die Salzburger Hospizbewegung, Salzburger Patientenvertretung und Rotes Kreuz präsentieren ihre Angebote ebenso wie die Österreichische Schmerzgesellschaft und die Österreichische Palliativgesellschaft in einer Ausstellung.

Der Kongress wendet sich an Ärzte und Pflegepersonen, Psychologen, Psycho- und Physiotherapeuten, Seelsorger und Sozialarbeiter und ehrenamtlich Tätige, die bei der Betreuung von Palliativpatienten zusammenarbeiten und besonders auch an deren Angehörige. Über 400 TeilnehmerInnen haben sich angemeldet.


Gesprächspartner:

Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky (guenther.bernatzky@sbg.ac.at):
Organisator des 2. Österreichischen Palliativkongresses; Neurobiologe an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg; Gründer und Leiter des Salzburger Schmerzinstituts (www.schmerzinstitut.org) sowie Vorstandsmitglied der Österreichischen Palliativgesellschaft (www.palliativ.at) und der Österreichischen Schmerzgesellschaft.
Günther Bernatzky ist seit Jahren in leitender Position für das Salzburger Hilfswerk und die Hospizbewegung Salzburg ehrenamtlich tätig; zahlreiche Forschungsarbeiten zur Schmerzphysiologie und zum therapeutischen Einsatz von Musik; Honorar Professor an der Albert Schweitzer International University Oregon (USA); bemüht sich seit Jahren darum, neueste Erkenntnisse der Schmerz- und Musikforschung sowie der Neurophysiologie und der Palliative Care für die medizinische Praxis zu nützen.
Bernatzky’s Credo: „Eine interdisziplinäre Palliative Care, welche neben den körperlichen auch die seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der PatientInnen berücksichtigt, ist eine eindeutige Absage an die aktive Sterbehilfe“.

Elisabeth Reichenpfader (peter.reichenpfader@roteskreuz.at) : Sie ist am Helga Treichl Hospiz des Roten Kreuzes in Salzburg tätig, sowie Geschäftsführerin der Salzburger Akademie für Palliative Care (www.palliative.at). Diese bietet Kurse für Ärzte, Pflegepersonen, Seelsorger und Psychologen an.
Wie Elisabeth Reichenpfader sagt, ist der Umgang mit Sterben und Tod in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema und erzeugt hohe Unsicherheit bei allen Beteiligten. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung gibt es aber noch vieles, das für Schwerstkranke und Sterbende getan werden kann, selbst dann noch, wenn scheinbar nichts mehr getan werden kann. Wichtig: Dies ist nicht möglich ohne eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegepersonen, Seelsorgern und Angehörigen.

Dr. Peter Reichenpfader (peter.reichenpfader@roteskreuz.at): Der ärztliche Leiter des Helga Treichl Hospizes und der Salzburger Akademie für Palliative Care arbeitete bei der Organisation des Palliativkongresses mit Günther Bernatzky, Elisabeth Reichenpfader und Dr. Ines Eberl vom Palliativ & Hospizteam Pinzgau zusammen.
Für ihn bedeutet Palliativmedizin wie sie im Salzburger Hospiz angeboten wird eine Medizin der Menschlichkeit. Sie beinhaltet einerseits eine hoch qualifizierte medizinische Betreuung, da komplexe Probleme wie Schmerzen, Atemnot, Obstipation und Übelkeit oft nur unter Einsatz aller Mittel zu bewältigen sind. Können diese Symptome gut eingestellt werden, wird ein Leben mit Qualität häufig wieder möglich. Weiters gehört eine offene und zugleich einfühlsame Kommunikation und spirituelle Beleitung dazu, welche auf die Ängste, Sorgen und Nöte von Schwerstkranken und Sterbenden und ihrer Angehörigen eingeht. Reichenpfader: „Ich glaube, dass bei uns im Hospiz mehr gelacht wird als in vergleichbaren Institutionen, vermutlich weil das Thema Trauer und der Umgang damit kein Tabuthema ist.“
Palliativmedizin ist für Reichenpfader keine Konkurrenz zu der auf Heilung orientierten Medizin, sondern deren notwendige Ergänzung.

Dr. Franz Zdrahal, (franz.zdrahal@palliativ.at): Der Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft ist in Wien für das Hospiz der Caritas in der Albrechtskreithgasse tätig. Beim Palliativkongress hält er den Festvortrag „Wohin führt die Brücke“, in dem er ein Bild der Gegenwart und Zukunft der Palliativmedizin entwirft. Wie er in einer aktuellen Presseaussendung der Österreichischen Palliativgesellschaft deutlich macht , steht die Palliativmedizin für ein würdevolles und selbstbestimmtes Lebensende ohne Verlängerung des Sterbeprozesses durch sinnlose Untersuchungen und Behandlungen. Eine qualifizierte palliativmedizinische Betreuung Schwerstkranker bis zuletzt sei auch das beste Mittel gegen aktive Sterbehilfe. Diese Form der Tötung von Menschen durch den Arzt sei heute in einigen Ländern bereits Realität. Sie werde von der Österreichische Palliativgesellschaft entschieden abgelehnt, so Zdrahal, der gleichzeitig den flächendeckenden Ausbau der ambulanten und stationären Versorgung Schwerstkranker in ganz Österreich fordert.