Presseinformation

Information zum Pressegespräch am 5. Dezember 2006 >>

Pressetexte

Presseaussendung der Österreichischen Palliativgesellschaft vom 22.11.06. (pdf-download)


Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Bitte nützen Sie folgende Pressetexte zu ihrer Information über den Palliativkongress. Die Texte sind zum Abdruck frei, Namensnennung der Autorin erbeten.

Wollen Sie mit den genannten Persönlichkeiten direkt in Kontakt treten? Namen und Adressen der Vortragenden bzw. WorkshopleiterInnen finden Sie auf der Kongress-Homepage unter den Rubriken „Vorträge“ bzw. „Workshop“,  jeweils am Ende, aufgelistet.

Weitere Pressetexte sind in Vorbereitung!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Heide Gottas (h.gottas@tele2.at)

Pressetext 1

Leiden am Ende des Lebens lindern

2. Österreichischer Palliativkongress in Salzburg - 400 TeilnehmerInnen erwartet

Die Leiden von unheilbar kranken und sterbenden Menschen zu lindern und ihre Lebensqualität und die ihrer Familien zu verbessern ist Ziel der modernen Palliative Care. Um dieses Ziel zu erreichen braucht es die Zusammenarbeit von interdisziplinären Teams, welche neben den körperlichen auch die seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse der PatientInnen berücksichtigen.

Interdisziplinäre Teams
Die enge Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen ist daher auch eines der acht Hauptthemen beim 2. Palliativkongress, den die Österreichische Palliativgesellschaft vom 6. bis 9. Dezember 2006 gemeinsam mit der Salzburger Akademie für Palliative Care und dem Salzburger Schmerzinstitut an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg veranstaltet. So wie der 1. Österreichische Palliativkongress, der 2004 in Graz stattfand, bietet auch der 2. eine Zusammenschau der vielen neuen Erkenntnisse im Bereich Palliativmedizin.

Palliativmedizin – eine Brücke
„Die Funktion der Palliativmedizin als Brücke wird heute besonders deutlich“, sagt Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky, Biologe an der Universität Salzburg, der die Konferenz gemeinsam mit Dr. Peter und Elisabeth Reichenpfader vom Helga Treichl Hospiz in Salzburg und Dr. Ines Eberl vom Palliativ & Hospizteam Pinzgau organisiert.
„Palliativmedizin ist eine Brücke zwischen den PatientInnen, ihren Familien sowie dem medizinischen und Pflegepersonal, zwischen Lebenden und Sterbenden, aber auch zwischen den verschiedenen therapeutischen und pflegerischen Ansätzen. Hier geht es um nicht um Lebensverlängerung um jeden Preis, sondern um die Erhaltung von Lebensqualität bis zuletzt“, sagt der Schmerzforscher. Und vor allem: „Palliativmedizin ist eine eindeutige Absage an die aktive Sterbehilfe“.
Therapiemöglichkeiten erweitert
Der 2. Österreichische Palliativkongress wendet sich vor allem an jene, die bei der Betreuung sterbenskranker Menschen zusammenarbeiten: an Ärzte und Pflegepersonen, an Psychologen, Psycho- und Physiotherapeuten, an Seelsorger und Sozialarbeiter, an ehrenamtlich Tätige und besonders auch an die Angehörigen von Palliativpatienten. Mehr als 70 Vorträge zu den Themen Ethik, Kommunikation, Lebensqualität, Hilfe für Helfer, interdisziplinäre Zusammenarbeit und zu neuen wissenschaftlichen und klinischen Entwicklungen stehen auf dem Programm. Dazu gibt es zahlreiche praxisorientierte Workshops beispielsweise zur Betreuung der zunehmenden Anzahl hochbetagter Alzheimer-PatientInnen oder zu aktuellen Erfahrungen mit unterstützenden Therapien wie Aromabehandlung, Musikhören, Malen oder Qigong.

Was kostet das Sterben?
Breiter Raum wird auch der sozioökonomischen und politischen Debatte eingeräumt. Zur öffentlichen Podiumsdiskussion „Was kostet das Sterben?“ am 6. Dezember, 20 Uhr, im Audi Max der Naturwissenschaftlichen Fakultät sind alle Interessierten eingeladen. Dabei wird deutlich werden, welche – auch volkswirtschaftliche - Bedeutung die voranschreitende Vernetzung der in der Palliativ- und Hospizarbeit tätigen Einrichtungen und Personen heute bereits hat. „Es geht um ein neues Bewusstsein für den Umgang mit Sterben und Tod“, nennt Hildegard Teuschl vom Dachverband HOSPIZ Österreich, eines der Hauptanliegen dieser Einrichtung und auch des Palliativkongresses.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at


Pressetext 2

Lebensbedrohlich krank? Musik, Malen und Qigong hilft!
Nicht nur den Betroffenen, sondern auch den Helfern

Beim Palliativkongress vom 6. bis 9. Dezember in Salzburg gibt es Vorträge und Workshops dazu.
Ziel der modernen Palliative Care ist es, lebensbedrohlich erkrankte und sterbende PatientInnen dabei zu unterstützen, bis zuletzt ein Leben in Würde zu führen. Dies ist nur möglich, wenn diese Menschen ihre eigenen Ressourcen zur Selbsthilfe und Optimierung der Lebensqualität kennen und auch nützen können.
Unterstützend wirken komplementär Therapieformen wie etwa Qigong. Qigong, ein Bestandteil der Jahrtausende alten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), lässt die Energie im Körper fließen, sagt Franz Wendtner, Klinischer und Gesundheitspsychologe an der Salzburger Universitätsklinik für Innere Medizin.
In seinem Vortrag und Workshop beim 2. Österreichischen Palliativkongress zeigt der geprüfte Qigong-Lehrer, wie mittels langsamer, sanfter Bewegungen oder auch stiller Übungen die innere Aufmerksamkeit erhöht, Blockaden aufgehoben und dadurch körperliche wie psychische Belastungen reduziert werden können. Qigong eröffnet selbst bettlägerigen PatientInnen noch einen Weg zu mehr Wohlbefinden und innerer Ruhe.
Ähnliches gilt für die Mal- und Gestaltungstherapie, die die diplomierte Ergotherapeutin und Kunsttherapeutin Barbara Vogt- Fux, in ihrem Vortrag und Workshop vorstellt. Wie sie sagt, geht es dabei darum, sich ohne Zwang, Vorschrift oder Kritik und vor allem ohne Worte auszudrücken.
Gleichsam von selbst werden beim Malen oder Bearbeiten von Ton persönliche Lebensthemen, belastende Gefühle, versteckte Sehnsüchte, aber auch verborgene Kraftquellen sichtbar. Vogt-Fux, die an der Universitätsklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Innsbruck im Bereich Palliativmedizin arbeitet, berichtet über gute Erfahrungen in der Praxis. Die PatientInnen lernen auf diese Art, ihre eigene Person bewusst wahrzunehmen und erleben sich außerdem als Teil der Therapiegruppe. Dies wirkt drohender seelischer Isolation entgegen.
Über den Einsatz von Musik und Musiktherapie in der Palliativmedizin und Sterbebegleitung berichtet Prof. Dr. H. Christof Müller-Busch, Abt. f. Anästhesiologie, Palliativmedizin und Schmerztherapie am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, Berlin, beim Kongress. Mag. Inge Steinschaden und Eva-Maria Grießer, Universitätsklinik für Psychiatrie, Salzburg, werden in ihrem Workshop die praktische Arbeit mit einfachen Musikinstrumenten vorstellen, welche ohne Vorkenntnisse gespielt werden können.
Gemeinsames Musizieren und Singen mit Therapeuten und Angehörigen ist oft selbst für unheilbar Kranke möglich, so Müller-Busch. Wenn das nicht mehr geht, ist das Hören ausgewählter Musik für die betroffenen PatientInnen und ihre Angehörigen hilfreich, gerade in der Phase des Abschiednehmens. Ebenso wie Malen oder Qigong spricht Musiktherapie den averbalen emotionalen Bereich des Menschen an. Sie kann verborgene kreative Kräfte wecken, zu innerer Ruhe führen und das Loslassen erleichtern.
Alle diese Therapieformen bieten nicht nur den PalliatvpatientInnen, sondern auch den Menschen, welche sie begleiten und betreuen, die Möglichkeit zur Selbsthilfe. Für das medizinische und Pflegepersonal können sie Teil einer wirksamen Burn-Out-Prophylaxe sein.
Die Notwendigkeit einer solchen Selbsthilfe stellt der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Michael E. Harrer, Innsbruck, in seinem Vortrag beim Palliativkongress in den Mittelpunkt. Er zeigt verschiedene Möglichkeiten zur „Stärkung der inneren Achtsamkeit bei Helfenden“ auf. Damit schneidet er ein wichtiges Thema an: Palliative Care muss – gerade auch im Interesse der Betreuten - immer auch die Erhaltung der Lebensqualität der Helfer im Blick haben.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at

Pressetext 3

Humor hilft – auch am Ende des Lebens
Rituale in der Palliative Care - Nahrung für die Seele von PatientInnen, Angehörigen und Betreuungsteams

Ein Lächeln in das Leiden schwerstkranker Menschen zu bringen – wer das vermag, hat viel erreicht. Denn „das Lächeln ist fast so etwas wie die unerschütterliche Gewissheit, dass das Leben, die Liebe und das Lachen stärker sind als alles andere, auch stärker als der Tod“. So sagt es Inge Patsch vom Tiroler Institut für Logotherapie und Existenzanalyse in Axam. Sie hält beim 2. Interdisziplinären Palliativkongress vom 6. bis 9. Dezember in Salzburg einen Vortrag zum Thema „Humor – eine

Möglichkeit in der Palliativmedizin“.
Ihre praktischen Erfahrungen über Humor als Therapie in der Palliative Care, welche sie am „Helga Treichl Hospiz“ in Salzburg gewonnen haben, geben der Pflegedienstleiter Johannes Kittl und der Sozialarbeiter und Spielpädagoge Werner Gruber beim Palliativkongress in einem Workshop weiter. Dabei geht es unter anderem um die psychischen und physischen Auswirkungen von Lachen. Es wird auch gezeigt, wie wir den Humor „in uns“ fördern können, das heißt sowohl bei den PatientInnen als auch jenen, die diese betreuen. Sicher ist: Humor hilft in jedem Fall mit schwierigen Situationen fertig zu werden und Stress zu reduzieren.

Hilfreiche Rituale
Ebenso hilfreich sind Rituale - für sterbende Menschen ebenso wie für ihre Angehörigen und das Pflegepersonal. Die Menschheit setzte von Anfang an Rituale ein, um Lebensübergänge besser zu bewältigen, betont Karl Weinberger, Evangelischer Pfarrer und Seelsorger an der Palliativstation des Krankenhauses Wien Lainz. Rituale haben den Sinn, dass „wir davon profitieren“. Sie sind, so Weinberger für den Menschen da, und nicht umgekehrt der Mensch für das Ritual. Der erfahrene Krankenhausseelsorger spricht beim Palliativkongress über die positiven Wirkungen von Ritualen, sowohl für sterbende Menschen wie auch das Pflegepersonal.
Mit Ritualen beschäftigt sich auch Pfarrer Richard Schwarzenauer vom Pfarrzentrum St. Severin in Salzburg. Wie er sagt, sei im Umgang mit Schwerstkranke von zentraler Bedeutung, dass man sie in allen Phasen als Menschen sieht und vor allem auch ihre spirituellen Bedürfnissen wahrnimmt. Die Weltgesundheitsorganisation definierte „Spiritual Care“ 2002 als eine der tragenden Säulen von Palliative Care. Die christliche „Krankensalbung“ sei dabei, so Schwarzenauer, eine Möglichkeit unter anderen.

Spiritual Care im Team
Spirituelle Begleitung sei jedoch nicht allein die Aufgabe der Seelsorge. Vielmehr müsse das gesamte Betreuungsteam eingebunden sein. Darauf verweisen Thomas Hagen, Fachreferent für Palliative Care der Erzdiözese München und Freising, und Pfarrer Traugott Roser in ihrem Referat beim Palliativkongress. Hagen und Roser, die beide am Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin der LMU München tätig sind, werden in Salzburg Fallbeispiele zu ihrem Konzept der spirituellen Teambetreuung Sterbender vorstellen.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at


Pressetext 4

Palliativmedizin und Menschenwürde

Ist die Wahrheit zumutbar? Diese Frage stellt der Wiener Priester und Psychotherapeut Arnold Mettnitzer in seinem Festvortrag beim 2. Palliativkongress vom 6. bis 9. Dezember in Salzburg. Tatsache ist, dass in unserer Gesellschaft Älterwerden, Behinderung, Krankheit und Sterben oft als unzumutbar empfunden und aus dem Alltag ausgeblendet werden. Aber „je mehr wir das Leiden und Sterben von uns wegschieben, desto weniger sehen wir, dass der Tod ein Teil des Lebens ist“, so Mettnitzer. Diese Wahrheit anzuerkennen sei deshalb so wichtig, so der Psychotherapeut, weil sie ein Garant für die Erhaltung der Menschenwürde der Sterbenden sei und eine Lebensschule für jene, die weiterleben.

Von negativen Altersbildern, die sich in unserer „Anti-Aging-Gesellschaft“ schleichend vermehren, spricht Georg Pinter aus Klagenfurt in seinem Vortrag. Für den Geriatrie-Spezialisten liegt in der Entwicklung medizinethischer Grundhaltungen besonders auch gegenüber älteren, schwerstkranken und sterbenden Menschen eine ganz große Herausforderung. Wie er sagt, sei für den Arzt „in der Behandlung von polymorbiden älteren Menschen eine ethische Grundhaltung im Sinne einer Reisebegleitung des Patienten unabdingbar“.

Günter Virt , Professor für Moraltheologie an der Universität Wien, ist seit 2001 Mitglied der österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt sowie der European Group on Ethics in Science and New Technologies in Brüssel. In zahlreichen Vorträgen und Publikationen hat er die wichtigsten ethischen Fragen im Zusammenhang mit Sterben und Tod heute behandelt.
Beim Palliativkongress in Salzburg wird er sich speziell mit den ethischen Problemen rund um die Palliative Sedierung (PS) befassen. PS beinhaltet den Einsatz bewußtseinsdämpfender Medikamente mit dem Ziel, sonst nicht behandelbare schwerste Leiden Sterbender zu lindern.
Für Virt ist PS allerdings „ein heikles Thema“. Vor allem deshalb, weil in den Staaten, in denen Ärzte - unter bestimmten Bedingungen straffrei - töten dürfen, PS zunehmend zu einer Methode der gezielten aktiven Euthanasie wird. Virt fordert daher, dass vor dem Einsatz von PS „für das Gelingen von Menschsein“ wichtige Güter wie Lebensverlängerung, Leidensminderung sowie Erhaltung der Autonomie des Kranken gegeneinander abgewogen werden müssen. Es sei eindeutig zu klären, ob es sich tatsächlich um eine Maßnahme ohne Tötungsintention handelt, welche als ultima ratio – als letzte mögliche Maßnahme - eingesetzt wird, wenn schwerste Leidenszustände Sterbender anders nicht mehr beherrschbar sind.

Die beiden Anästhesiologen H. Christof Müller-Busch, Berlin, und Dietmar Weixler vom Waldviertel Klinikum Horn fordern deshalb, dass die Entscheidung über Anwendung der Palliativen Sedierungstherapie im konkreten Fall von einem Team getroffen werden soll, dem ausgebildete Palliative Care - ExpertInnen angehören. Unabdingbar notwendig sei auch die Aufklärung und Einbeziehung aller Beteiligten und eine exakte und lückenlose Dokumentation des gesamten Prozesses. Müller-Busch und Weixler halten beim Palliativkongress in Salzburg einen Vortrag über „Palliative Sedierung: Wirklichkeit und Visionen“.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at


Pressetext 5

Mit Sterbenden reden

Das ist oft schwierig, aber hilfreich. Beim Palliativkongress vom 6. bis 9. Dezember in Salzburg gibt es Vorträge und Workshops dazu.

Leiden lindern, wo Heilung nicht mehr möglich scheint, ist Ziel der Palliativmedizin. Einfühlsame Kommunikation, die den gesamten Menschen mit seinen körperlichen, aber auch psychischen Bedürfnissen in den Blick nimmt, ist dabei besonders wichtig. „Ärztliche Zuwendung im Gespräch und ausführliche Erklärung von Krankheit und Therapie wirken per se als Medizin“, sagt Dr. Ines Eberl vom Palliativ & Hospizteam Pinzgau.

Sie hat gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky, Neurophysiologe an der Universität Salzburg, sowie Dr. Peter und Elisabeth Reichenpfader vom Helga Treichl Hospiz in Salzburg den 2. Österreichischen Palliativkongress vom 6. bis 9. Dezember organisiert. Das Thema Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Betreuungsteams und PatientInnen, deren Angehörigen und Freunden wird bei dem von der Österreichischen Palliativgesellschaft veranstalteten interdisziplinären Kongress in mehreren Vorträgen und Workshops behandelt.

Wie Eberl betont, haben wir heute eine paradoxe Situation: Dank enormer Fortschritte in Forschung und Therapie wird die Medizin einerseits immer besser, sicherer und erfolgreicher. Andererseits werden die Patienten immer ängstlicher, sich einer für sie unpersönlich scheinenden Gesundheitsmaschinerie auszuliefern. Mehr Zuwendung im ärztlichen Gespräch werde in dieser Situation immer wichtiger. In der Praxis komme Kommunikation angesichts zunehmender Dokumentations- und Sparzwänge sowie wachsendem Erwartungs- und Zeitdruck auf Ärzte und Betreuungspersonal meist aber zu kurz. Gerade im Bereich Palliative Care gibt es, so Eberl aber Fortschritte: Eine neue Kultur der Kommunikation breitet sich unter Betroffenen, Angehörigen wie unter Professionellen aus.

Wie Kommunikation in der Palliativmedizin aussehen kann, vermitteln Elisabeth Reichenpfader, Geschäftsführerin der Salzburger Akademie für Palliative Care und Supervisorin, und Dr. Peter Reichenpfader, der auch als ärztlicher Leiter der Lehrgänge Palliativmedizin und Palliative Care wirkt, beim Kongress an Hand von Fallbeispielen aus der Praxis.

Laut Dr. Edlef Bucka-Lassen, Palliativmediziner aus Hoejer, Dänemark, gibt es zwar keine Patentrezepte für Arztgespräche mit Todkranken. Aber es „gibt es viele klar benennbare – und damit vermittelbare und erlernbare – Elemente, die im Gelingen oder Nichtgelingen eines Gesprächs eine maßgebende Rolle spielen“. Glaubwürdigkeit sei besonders wichtig, so vermittelt Bucka-Lassen in seinem Workshop. Diese gibt es nur, wenn im Gespräch die verbalen sowie nonverbalen Signale des Arztes kongruent sind, das heißt das Gleiche ausdrücken.

Wenn es darum geht, Schwerstkranken in ihrem Leiden zu helfen müssen vor allem ihre Bedürfnisse, Gedanken Gefühle und Werte des Patienten den Kern des Gesprächs bilden. Dass dies auch in schwierigen Situationen hilft, zeigt der Innsbrucker Internist und Kardiologe Dr. Norbert Schauer in seinem Vortrag an einem konkreten Fall.

Wie wichtig eine offene Kommunikation mit Sterbenden und ihren Angehörigen ist, zeigt sich besonders dann wenn Kinder die Betroffenen sind. Wie Prof. Dr. Stein Husebø aus Bergen, Norwegen, derzeit in Wien, betont, ist „fehlende Offenheit in ihrer Umgebung der größte Feind von Kindern“. Wenn man sie der Möglichkeit beraubt, die jeweilige Situation zu erfassen, können massive Probleme auch mit der Trauer die Folge sein. Grundlegende Voraussetzung für eine optimale Betreuung sterbender Kinder und wie auch von Kindern, die nahe Angehörigen von Sterbenden sind, ist daher ihre Integration in vorbereitende Kommunikationsprozesse. Kinder, aber nicht nur sie, können sich in Krisen besser verhalten, wenn sie diese erkennen und verstehen.

Dass auch demenzkranke PalliativpatientInnen respektvolle und wertschätzende Zuwendung dringend nötig haben, und dass diese auch möglich ist, zeigt DDr. Marina Kojer, Wien, in ihrem Vortrag: „Ist die Demenz weit fortgeschritten verlieren Worte immer mehr an Bedeutung. Die Kommunikation wird vor allem durch Berührungen und Körperkontakt gespeist. Aufgabe der Helfenden ist es sich täglich von neuem darum zu bemühen den Weg zu den Kranken zu suchen und zu finden, so Kojer.

In der Intensivstation der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz zwischen 2003 und 2005 geführte Gespräche mit Angehörigen Verstorbener wurden von einem AutorInnenteam untersucht. Beim Kongress werden die Ergebnisse im Rahmen der Posterausstellung präsentiert. Darin zeigen sich auch die sehr unterschiedlichen Bedürfnislagen der Betroffenen: Immerhin beurteilte ein Großteil der Angehörigen die erhaltenen Informationen weitgehend positiv, andererseits sieht gut ein Drittel der Befragten große Defizite in der Kommunikation von medizinischem und Pflegepersonal mit den Angehörigen Sterbender.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at

Pressetext 6

Palliativmedizin braucht Forschung
Kongress in Salzburg: Preise für neue wissenschaftliche Arbeiten

Selbst wenn scheinbar nichts mehr möglich ist, kann für Schwerstkranke und Sterbende noch vieles getan werden, sagt Elisabeth Reichenpfader, Geschäftsführerin der Salzburger Akademie für Palliative Care und Mitorganisatorin des 2. Österreichischen Palliativkongresses vom 6. bis 9. Dezember in Salzburg. Um leidenden Menschen am Lebensende zu helfen, braucht es aber nicht nur einen interdisziplinären Zugang, sondern auch wissenschaftliche Forschung. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der von der Österreichischen Palliativgesellschaft veranstaltete Kongress. Organisiert wurde die Veranstaltung von Univ.-Prof. Dr. Günther Bernatzky, Neurophysiologe an der Universität Salzburg, zusammen mit Dr. Peter und Elisabeth Reichenpfader vom Helga Treichl Hospiz in Salzburg und Dr. Ines Eberl vom Palliativ & Hospizteam Pinzgau.
Beim Kongress werden in Vorträgen und Postern zahlreiche neue palliativmedizinische Studien präsentiert, so etwa zur Schmerztherapie für Sterbende oder zur Behandlung schwieriger Symptome bei dementen PatientInnen. Im Rahmen des Palliativkongresses werden die besten der hier ausgestellten Poster prämiert. Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen der Forschung in diesem Bereich geben die beiden Palliativmedizinerinnen Dr. Claudia Bausewein vom Klinikum der Universität München – Grosshadern und Dr. Imke Strohscheer vom LKH-Universitätsklinikum Graz in einem Workshop. Sie zeigen darin auf, inwiefern sich palliativmedizinische Forschung sowohl in ihren Methoden wie Bedingungen von der üblichen klinischen Forschung unterscheidet, und regen zu interdisziplinären Kooperationsprojekten an.

Ein wichtiger Beitrag zur Förderung der palliativmedizinischen Forschung ist der alle zwei Jahre von der Firma Grünenthal Österreich gestiftete Preis. Der Förderpreis 2006 wird am 7. Dezember um 14 Uhr im Audi Max der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg übergeben. 2004 wurde Günther Bernatzky, gemeinsam mit Rudolf Likar von der Österreichischen Palliativgesellschaft für seine wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Palliativmedizin ausgezeichnet.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at

Pressetext 7

Gut betreut bis zum Ende
Das ist keineswegs unbezahlbar, aber erfordert Umdenken

Was kostet das Sterben oder vielmehr der letzte Lebensabschnitt vor dem Tod? Darum ging es Mittwoch bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Rahmen des noch bis Samstag in Salzburg laufenden Österreichischen Palliativkongresses.

Bei dem hochrangig besetzten Gespräch von VertreterInnen aus Medizin, Forschung, Management und Verwaltung wurde rasch klar: Gute Betreuung von unheilbar kranken PatientInnen am Ende ihres Lebens ist keineswegs unbezahlbar. Aber sie erfordert ein Umdenken vor allem auch bei den politisch Verantwortlichen und auch eine Veränderung im Einsatz der schon jetzt dafür verwendeten finanziellen Mittel.

Tatsache ist, dass die Schere zwischen den tatsächlichen Wünschen der Menschen und der Realität weit auseinanderklafft. Besonders deutlich zeigen das aktuelle Zahlen aus Kärnten, wo 95 Prozent der Befragten angaben, sie wollten ihr Lebensende zu Hause im Kreise der Familie verbringen, möglichst mit Unterstützung durch mobile Palliativteams. Tatsächlich sterben mehr als zwei Drittel aller ÖsterreicherInnen heute in einem Krankenhaus. Dies geht nicht nur am Willen der PatientInnen und ihrer Angehörigen vorbei, sondern sei auch eine besonders teure „Lösung“ war man sich bei dem Podiumsgespräch weitgehend einig.

Ein Grund für Maria Haidinger, Obfrau der Salzburger Hospizbewegung und Salzburger Ex-Gesundheitslandesrätin, die Aufnahme der Themen Hospizarbeit und Palliatve Care in die Agenda der neuen Bundesregierung zu fordern. „Wir brauchen dringend bessere Rahmenbedingungen zur Entlastung der pflegenden Angehörigen, die in Österreich derzeit noch die Hauptarbeit bei der Betreuung von Menschen an ihrem Lebensende leisten“, so Haidinger, selbst Allgemeinmedizinerin: „Und wir brauchen auch mehr finanzielle Mittel, für die Ausbildung sowohl des medizinischen und Pflegepersonals wie auch der ehrenamtlich Tätigen und der Angehörigen.“
Tatsache ist, dass derzeit in Österreich 90 Prozent der Hospizarbeit von etwa 3.000 ehrenamtlich Tätigen geleistet wird. Unterstützt werden sie von VertreterInnen verschiedener Berufsgruppen wie Ärzte, Pflegekräfte, Physio- und PsychotherapeutInnen, Seelsorgern, die gemeinsam eine ganzheitliche Betreuung schwerstkranker Menschen ermöglichen. Tatsache ist auch, dass diese Netzwerke ohne Unterstützung durch Gesellschaft und Politik nicht auskommen. Zur Bewusstseinsbildung in diesem Bereich trägt der Salzburger Palliativkongress mit seinen mehr als 400 TeilnehmerInnen wesentlich bei.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at

Pressetext 8

Forschung für ein gutes Lebensende

Wissenschaftspreis für Palliativmedizinische Forschungen in Salzburg vergeben

Dr. Birgit Kraft von der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin am AKH Wien und Univ.-Doz. Dr. Rudolf Likar, Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Schmerztherapie, Onkologie und Palliativmedizin am LKH Klagenfurt nahmen am Donnerstag, 7. Dezember, in Salzburg im Rahmen des noch bis Samstag laufenden Palliativkongresses Wissenschaftspreise entgegen. Die von der Firma Grünenthal Österreich gestifteten Preise für Forschungen im Bereich der Palliativmedizin werden alle zwei Jahre von der Österreichischen Palliativgesellschaft vergeben.

Ausgezeichnet wurde diesmal eine von einem Forscherteam um Likar bei 500 KärntnerInnen über 65 Jahren durchgeführte Untersuchung zu Gesundheit, Lebensqualität und Schmerz im Alter und andererseits eine Untersuchung der Arbeitsgruppe um Kraft zum Einsatz von Cannaboiden in der Schmerzbekämpfung. Beide Untersuchungen stellen wichtige Grundlagen für eine verbesserte ganzheitliche Betreuung von Schwerstkranken an ihrem Lebensende dar.

Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at


Pressetext 9

Diagnose Brustkrebs – Musik hilft

Posterpreis für Salzburger Forscherteam. Weiters beim Palliativkongress 2006 ausgezeichnet: Untersuchungen über Angehörigengespräche in Linz und die Palliativstationen in Graz und Vöcklabruck.

Etwa jede achte Frau in Österreich erlebt es. Bei ihr wird ein bösartiger Tumor der Brustdrüse festgestellt. Auch wenn das heute in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht mehr den baldigen Tod bedeutet, so ist diese Diagnose für die Betroffenen und ihre Angehörigen immer mit hohem Stress, Angst und einer massiven Verschlechterung ihrer Lebensqualität verbunden. Eine Situation, in der das Hören ausgewählter Musik viel helfen kann!
So zeigte jetzt eine von dem Salzburger Biologen Günther Bernatzky (Universität Salzburg) gemeinsam mit Franz Wendtner, Gundula Steinlechner und Hubert Hausmaninger (alle Salzburger Landeskrankenanstalten) durchgeführte Studie, welche mit finanzieller Unterstützung der Firma Janssen und der Krebshilfe Salzburg durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Musikhören hilft Brustkrebspatientinnen ihre Ängste zu reduzieren. Als besonders wirksam erwies sich dabei eine – von Bernatzky, Wendtner und einem Musikerteam entwickelte - standardisierte Kombination von Musik mit Entspannungsanleitung.
Doch auch das Hören ihrer individuellen Lieblingsmusik kann den Patientinnen während der Chemotherapie und in den Pausen dazwischen messbare Erleichterung bringen. Sie empfinden weniger Stress und haben das Gefühl, selbst etwas zu ihrer Gesundung beitragen zu können – das heißt ihre „internale Kontrollüberzeugung“ wird gesteigert. Insgesamt kam es durch Musikhören gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Musik zu einer signifikanten Verbesserung des subjektiv empfundenen Gesundheitsgefühls. Dieses Ergebnis legt nahe, Musikhören als komplementäre Therapie während einer Chemotherapie verstärkt einzusetzen.
Die Ergebnisse der Studie wurden beim 2. Österreichischen Palliativkongress Anfang Dezember 2006 in Salzburg den rund 420 TeilnehmerInnen in Form eines Posters präsentiert und bei der abschließenden Preisverleihung mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Insgesamt wurden von der Firma Eli Lilly GmbH Austria drei Posterpreise vergeben. Alle drei prämierten Forschungsarbeiten liefern wichtige Beiträge zur Verbesserung der Betreuung schwerstkranker PatientInnen in Österreich.

Der erste Posterpreis ging an das Team Barbara Schleicher, Walter Löffler und Daniela Schneider für ihre Studie über „Angehörigengespräche in der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg“. Für die „Gesundheit Österreich GmbH“, Wien, analysierte die Forschungsgruppe die Gespräche, die mit Angehörigen von zwischen Februar 2003 und Juni 2005 in der Intensivstation an der Wagner-Jauregg-Klinik in Linz verstorbenen PatientInnen geführt wurden. Hauptziel der Analyse war, diese zumeist sehr schwierige Kommunikation zu verbessern und bei den Angehörigen - bei gleichzeitiger Würdigung ihres Trauerprozesses - die Offenheit für Organspenden zu fördern.
Weiters sollten mit insgesamt 24 Betroffenen geführten Interviews Möglichkeiten zur Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Betreuung an der Intensivstation aufzeigen. So wünscht sich ein Gutteil der Befragten weniger Zeitdruck bei der Pflege der PatientInnen und mehr psychologische Unterstützung für die Angehörigen nach plötzlichen Todesfällen.

Der 3. Posterpreis wurde der Arbeitsgruppe Christina Grebe, Franz Reiner, Michaela Lientscher, Hellmut Samonigg und Imke Strohscheer für ihren „Vergleich der Patientencharakteristika von zwei Palliativstationen“, jener am Universitätsklinikum Graz und jener am LKH Vöcklabruck, verliehen. Dabei wurden für je 100 PatientInnen Aufenthaltsgründe bzw. –dauer erhoben sowie der Prozentsatz an Entlassenen und in der Palliativstation Verstorbenen festgestellt.
Ergebnis: Zwar beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sowohl in Graz wie Vöcklabruck rund 10 Tage und hier wie dort werden die PatientInnen in den meisten Fällen aufgrund von Schmerzen, Atemproblemen und Schwäche eingewiesen. Andererseits gibt es - aufgrund des Standortes und der Ausrichtung - deutliche Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Palliativstationen. Während in Graz ausschließlich KrebspatientInnen betreut werden, leidet rund ein Fünftel der PalliativpatientInnen in Vöcklabruck an anderen Krankheiten. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, Palliativbetreuung auch für nicht-onkologische PatientInnen anzubieten. Weitere Unterschiede: in Vöcklabruck werden drei Viertel der Entlassenen durch ein mobiles Palliativteam weiter betreut, in Graz knapp die Hälfte. Hier wird fast ein Drittel der Betreuten von der Palliativstation wieder aufgenommen, in Vöcklabruck weniger als ein Viertel.
Weitere Infos zu den ausgezeichneten und den anderen beim Kongress gezeigten Postern finden Sie auf der Homepage des Palliativkongresses http://www.palliativ-medizin.at/ unter Posterausstellung!


Pressetext: Dr. Heide Gottas, Salzburg, h.gottas@tele2.at