Wie teuer ist das Sterben?
Stellungnahme zur Podiumsdiskussion

Hofrat Dr. Alois Grüner
Abteilung 9, Salzburger Landesregierung

  1. Die sprachliche Fassung des Themas "Was kostet das Sterben" lenkt den Blick auf das Sterben. Die Aufmerksamkeit soll sich vielmehr richten auf eine wichtige Lebensphase.

  2. Was ist uns ein menschenwürdiges Leben bis zuletzt wert?

  3. Sterbeorte 2005 in Salzburg:
    Krankenanstalten
    1.949
    46,9%
    Heime
    910
    21,9%
    Zuhause
    1.063
    25,6%
    Sonstige
    232
    5,6%
    Gesamt
    4.155

  4. Laut einer Umfrage möchten 81 % der Menschen in vertrauter Umgebung sterben.

  5. Was ist daher notwendig, um die Autonomie der Menschen so wertzuschätzen, dass eine reale Wahlmöglichkeit besteht ?

  6. Aufbauend auf dem breiten Bekenntnis zur notwendigen Verbesserung der Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen durch eine angemessene Palliativ- und Hospizversorgung hat eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein abgestuftes Konzept erarbeitet. Dieses sieht eine schrittweise Realisierung bis 2012 vor und wurde am 28.6.2006 von der Bundesgesundheitskommission zur Kenntnis genommen. Die Kosten der Vollversorgung werden auf ú 101,5 Millionen geschätzt.

  7. Die Salzburger Landesregierung hat am 20.11.2006 beschlossen, dass bis 30.6.2007 ein abgestuftes Palliativ- und Hospizkonzept vorzulegen ist. Dabei kann auf bisher erarbeitete Strukturen aufgebaut werden: Palliativbereiche/stationen im KH Tamsweg und im KH Hallein Mobile Palliativ- und Hopsizteams im Pinzgau, Pongau, Lungau Stationäres Hospiz in der Stadt Salzburg Tageshospiz in der Stadt Salzburg Ehrenamtliche Hospizteams in allen Bezirken.

Stand der Umsetzung der Palliativ- und Hospizversorgung für Salzburg

1. Bericht der Arbeitsgruppe Palliativ- und Hospizversorgung
Entsprechend der Vereinbarung gem. Art. 15 a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens ist eine österreichweit gleichwertige, flächendeckende abgestufte Versorgung im Palliativ- und Hospizbereich einheitlich zu planen sowie prioritär umzusetzen. Darauf aufbauend haben Bund und Länder eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet, die einen Bericht erstellt hat, der von der Bundesgesundheitskommission am 28.6.2006 zur Kenntnis genommen wurde.

Der Bericht enthält auszugsweise folgende wesentliche Punkte:

Ziel ist es, ein Versorgungssystem zu implementieren, zu dem alle, die es benötigen, Zugang haben, und das folgende Eigenschaften aufweist:

Der Stufenplan zum Aufbau der bedarfsnotwendigen Kapazitäten sieht einen Abschluss bis zum Jahr 2012 sowie Maßnahmen zur Bildung/Ausbildung, zur Qualitätssicherung und zur Vernetzung vor.

Zur Finanzierung sind folgende Aussagen enthalten:


2. Bausteine/Bestehende Strukturen:

Palliativstationen/bereiche:
Krankenhaus Tamsweg:
Palliativstation mit 4 Betten, gemeinsam geführt mit der Akutgeriatrie; Auslastung unterschiedlich, die Annahme durch die Bevölkerung ist noch nicht ungeteilt gegeben; Zusammenarbeit mit dem mobilen Palliativ- und Hospizteam ist problemlos.
Krankenhaus Hallein:
Palliativstation mit 6 Betten ist gut ausgelastet; Notwendigkeit eines Palliativkonsiliardienstes wird hinterfragt; Synergiemöglichkeit mit mobilem Palliativ- und Hospizteam wird bejaht.


Stationäres Hospiz:
Das Helga-Treichl-Hospiz in Salzburg mit 10 Betten besteht seit mehr als vier Jahren und ist im Durchschnitt gut ausgelastet. Hauptproblem ist die hohe finanzielle Zugangshürde für die Patienten. Durch das hohe pflegerische und ärztliche Betreuungsniveau und die damit verbundenen überdurchschnittlichen Kosten sieht sich das Österreichische Rote Kreuz als Träger des Hospizes nicht mehr länger in der Lage, den bisherigen Betriebsabgang von ca. € 0,6 Mio. zu tragen.

Tageshospiz
Das Tageshospiz der Salzburger Hospizbewegung mit 6 Plätzen ist dzt. zu ca. 80 % ausgelastet, sodass die drei Öffnungstage nach finanzieller Möglichkeit auf vier ausgeweitet werden sollen.
Diese Versorgungsform dient neben den Patientinnen auch besonders der Entlastung der Angehörigen.

Die Kosten des Tageshospizes von jährlich ca. € 170.000,-- werden zu einem geringeren Anteil aus Förderungen der öffentlichen Hand (Stadt und Land Salzburg, SAGES-Strukturmittel, Tageszuschuss der Sozialversicherungsträger für ärztliche Leistung und Heilmittel), zu einem höheren Anteil aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Veranstaltungserträgen gedeckt.

Die Versorgungsform des Tageshospizes ist nach Ansicht der Hospizbewegung gerade für den Zentralraum bedarfsgerecht.

Palliativkonsiliardienste:
Diese bestehen in Salzburg derzeit noch nicht.

Mobile Palliativteams:
Die Caritas hat bisher mobile Palliativ- und Hospizteams im Auftrag des Landes im Pinzgau, Pongau und Lungau eingerichtet.
Entsprechend dem Vorrang der Betreuung der Patienten (und deren Angehörigen) im häuslichen Umfeld stehen grundsätzlich die Mitarbeiter rund um die Uhr bereit. Dadurch wir ein hoher Anteil an ansonsten notwendigen Spitalseinweisungen vermieden.
Betreut werden derzeit ca. 140 PatientInnen und deren Angehörige.
Die Einsätze richten sich je nach Anforderungen durch die Betroffenen und werden mit den Palliativteams und dem Tageshospiz abgestimmt.

Die Salzburger Kinderkrebshilfe führt u.a. eine mobile (palliativ)medizinische und pflegerische Betreuung der Familien durch das sog. Regenbogenteam zu Hause, bestehend aus einer speziell geschulten Kinderärztin und drei dipl. Krankenschwestern. 2005 wurden 60 Familien, vorwiegend aus Salzburg, aber auch aus Oberösterreich, Deutschland, Steiermark, Tirol und Kärnten betreut. Die Kosten für das Regenbogenteam in der Höhe von ca. € 120.000.-- werden ebenso wie die übrigen Ausgaben zur Gänze aus Spenden aufgebracht.


Hospizteams:
Die Salzburger Hospizbewegung betreibt 10 über das ganze Bundesland verteilte Hospizteams, bestehend aus ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen unter der Leitung einer Einsatzkoordinatorin.
Die Einsätze richten sich je nach Anforderungen, in erster Linie durch die mobilen Palliativteams, aber auch durch das Tageshospiz. Die Kosten werden vorwiegend durch Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie bezüglich der Einsatzkoordinatorinnen durch die Caritas im Rahmen eines Kooperationsvertrages gedeckt.


3. Geplante Versorgungsstrukturen:

Palliativbetten:
Im St. Johanns-Spital sind zunächst sechs Betten geplant; die Zahl soll im Hinblick auf den Vorrang der Betreuung im häuslichen Umfeld bewusst gering gehalten werden; je nach Bedarfsentwicklung ist eine Erweiterung möglich.

Nach dem neuen Strukturplan Gesundheit ist weiters für Hallein eine Erweiterung von 6 auf maximal 8 Betten, und im Krankenhaus Schwarzach die Errichtung von bis zu 8 Palliativbetten vorgesehen.

Mobile Palliativteams:
Seitens der Caritas ist eine flächendeckende Erweiterung der mobilen Teams auf den Zentralraum (Stadt Salzburg, Flach- und Tennengau) geplant, Voraussetzung ist eine Finanzierung aus dem SAGES.


4. Finanzierung:
Aus Strukturmitteln des Salzburger Gesundheitsfonds (SAGES) werden derzeit gefördert: (Gesamtbetrag 2006: € 341.200)
Helga Treichl Hospiz,
Tageshospiz der Hospizbewegung
Mobile Palliativ- und Hospizteams

Aus Mitteln des SAGES für stationäre Leistungen werden vergütet:
Leistungen von Palliativstationen (LKF), € 321 je Tag, degressiv ab dem 15. Tag
(Gesamtbetrag 2005: € 284.085)

Aus Mitteln des Sozialressorts wird gefördert:
Hospizteams der Hospizbewegung
(Gesamtbetrag 2005: € 14.000)

Aus Sozialversicherungsmitteln werden derzeit in unterschiedlicher, vertraglich vereinbarter Höhe abgegolten:
Heilmittel, Heilbehelfe und ärztliche Hilfe für Leistungen des Helga Treichl Hospizes, des Tageshospizes, der mobilen Palliativ- und Hospizteams (Zusage für Erweiterung auf den Zentralraum im Jahre 2007)


5. Ausbildung
Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) und Bildungshaus St. Virgil:
In Zusammenarbeit mit Hospiz Österreich wurde ein Curriculum für einen Universitätslehrgang erstellt, der seit Jänner 2006 läuft und mit dem Master oder mit dem akademischen Palliativexperten abgeschlossen werden kann. Die Kosten werden aus den Gebühren der 28 Teilnehmer finanziert.

Salzburger Akademie für Palliative Care:
In diesem Verein sind alle interessierten Institutionen vertreten, sodass es zu keinem Konkurrenzdenken kommt, sondern Kooperation besteht.
Die Ausbildung steht für alle einschlägig in Frage kommenden Berufsgruppen offen und wird bereits seit sieben Jahren angeboten. Durchschnittlich absolvieren 30 Teilnehmer pro Jahr die interdisziplinäre Ausbildung. Die Kosten werden aus den Gebühren der Teilnehmer finanziert.

Hospizbewegung Salzburg:
Es werden Ausbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen angeboten, durchschnittlich beenden 18 Absolventen pro Lehrgang (zwei Lehrgänge pro Jahr) diese Ausbildung.
Die Kosten werden von den Teilnehmerinnen finanziert, in nächster Zeit kann voraussichtlich die Finanzierung aus Spenden der Hospizbewegung refinanziert werden.


6. Weitere Vorgangsweise
Die Salzburger Landesregierung hat im Zusammenhang mit dem Bericht über das Ergebnis der mit den Krankenanstaltenträgern geführten Verhandlungen über die standort- und facherspezifische Planung am 20.11.2006 u.a. beschlossen, dass bis 30.6.2007 ein abgestuftes Konzept für die Palliativ- und Hospizbetreuung vorzulegen ist.