Grußworte von Frau Superintendentin Mag. Luise Müller

Wenn ich an Palliativmedizin denke, dann fällt mir als erstes der Begriff „ganzheitlich“ ein. Ein unheilbar kranker Mensch wird auf der letzten Wegstrecke seines Lebens umfassend betreut: medizinisch, indem Schmerzen reduziert werden, liebevoll pflegerisch und zusätzlich noch psychosozial-seelsorgerlich.
Wenn ich an Palliativmedizin denke, dann fällt mir als Zweites ein, dass Menschen, die so betreut werden, Krankheit und Sterben wahrscheinlich leichter als einen Teil ihres Lebens akzeptieren können, weil Ihnen unerträgliche Schmerzen gelindert, ihre Ängste ernst genommen und ihr Leben nicht auf Leiden reduziert wird: weil ihnen würdevoll begegnet wird. Weil akzeptiert wird, dass das Leben ebenso wie die medizinischen Möglichkeiten der Lebenserhaltung begrenzt sind, und es nicht nur auf Dauer sondern auch auf Qualität ankommt. Niemand ist unsterblich. Aber jeder hat das Recht, dass ihm auch das Sterben erträglich gemacht wird.
Sterben, Tod und Trauer gehören zum Leben und aus der Tabuisierung geholt. Hospize und Palliativmedizin haben dazu beigetragen, dies bewusst zu machen und ermöglichen eine neue Kultur des Umgangs mit diesen Themen. Dafür gebührt ihnen aus evangelischer Sicht großer Dank.

Superintendentin Mag. Luise Müller