Wie teuer ist das Sterben
Gedanken von Frau Dr. med. Maria Haidinger

Das Bewusstsein um die Notwendigkeit und Bedeutung der Hospizarbeit und guter Palliativbetreuung ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die Hospizidee trifft auf viel Zustimmung – die Menschen verbinden damit viel Hoffnung.
Ich bin froh über einen breiten gesellschaftlichen Konsens die Hospizidee zu stärken. Auch die Politik hat hier deutliche Bekenntnisse abgelegt (Europarat 1999 Empfehlung zum Schutz der Menschenrechte und Würde der Todkranken und Sterbenden – daraus sind Grundrechte abzuleiten die aber durch eine Vielzahl von Faktoren bedroht sind. Parlamentarische Enquete im Bund und Ländern, Gesundheitsdialog).
Die politisch Verantwortlichen bekennen sich zur qualitätsvollen Betreuung in der letzten Lebensphase, politische Bekenntnisse und Beschlüsse haben aber auch in den Hospizeinrichtungen große Erwartungshaltungen geweckt.
Vielen dieser Worte müssen noch viele Taten folgen!

Die Palliativmedizin folgt einer deutlich anderen Philosophie als die herrschende A-kut- und Kurativmedizin. Sie ist nicht von der Idee der grenzenlosen Machbarkeit betragen. Ein weiteres Kennzeichen der Palliativmedizin ist ihre Multiprofessionalität und Interdisziplinarität und Palliativmedizin ist gerade wegen dieser Besonderheiten dazu geeignet ein generelles Umdenken in der Medizin hin zu einer stärkeren Patientenzentriertheit zu fördern. Der Patient wird im Zusammenhang mit palliativmedizinischen Behandlungen in all seiner Dimension gesehen und erfährt daher auch psychische, spirituelle und soziale Unterstützung. Möglich wird diese umfassende Betreuung nur durch ein multidisziplinäres Team von Pflegenden, Psychotherapeuten, Seelsorgern, Physiotherapeuten, Ärzten, Ernährungsberatern in Zusammenarbeit mit einer großen Gruppe von ehrenamtlich tätigen Hospizbegleiterinnen. Kommunikation wird dadurch zu einem zentralen Thema.

Interdisziplinarität, das gilt im Blick auf berufliche Felder. Dazu gehören aber auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Palliativ- und Hospizeinrichtungen und zwischen ehrenamtlich und hauptamtlich engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und da hat die Hospizbewegung ihren großen Stellenwert. Es würde in unserer Gesellschaft vieles nicht funktionieren, gäbe es nicht Menschen, die ihr Wissen, ihre soziale Kompetenz, ihre Einfühlsamkeit und ihre Menschlichkeit anderen schenken. 90 % der Hospizarbeit ist ehrenamtlich, es arbeiten derzeit in Österreich ca. 3.000 Personen im Bereich der hospizlichen Begleitung.

Die Hospizbewegung ist kein Ergebnis staatlicher Konzepte und Initiativen. Die Hos-pizarbeit verdankt ihr Entstehen wesentlich dem freiwilligen Engagement von Familienangehörigen und Freunden von sterbenden Menschen, aber auch beruflich Betroffenen, die sich oft weit über ihren beruflichen Auftrag hinaus engagierten. Hospizarbeit baut neue Netzwerke auf der Basis eines bürgerschaftlichen freiwilligen Engagements auf. Solche Netzwerke bedürfen einer nachhaltigen Unterstützung von Politik und Gesellschaft. Um die Kontinuität des Hospizangebotes nachhaltig zu sichern, bedarf es aber auch einer hauptamtlichen Unterstützung, insbesondere im Rahmen der Organisation und der Vernetzung. Gute und gezielte Vorbereitung, Begleitung, Fort- und Weiterbildung wird als Wertschätzung, als Lebenshilfe, als persönliche Bereicherung erfahren und in dem Zusammenwachsen als Gruppe Gleichgesinnter kommt es zuneuen tragfähigen Bindungen. Dazu ist es notwendig, eine feste Anlaufstelle wie unser Hospizbüro im Tageshospiz zu schaffen, denn es gibt Orientierung und Identifikationsmöglichkeit und es ist sehr wichtig, feste Ansprechpersonen zu haben. Im Sinne einer Koordination, Leitung und Praxisbegleitung.

Es genügt gerade in der Hospizarbeit nicht, das Ehrenamt hoch zu halten, ohne für die notwendigen Rahmenbedingungen zu sorgen.

Wir schaffen keinen künstlichen Bedarf. Die Menschen, die Patienten gibt es, die diese Hilfestellung der Palliativ- und Hospizbetreuung dringend brauchen und der Bedarf wird weiter ansteigen. Einerseits sind die Krebserkrankungen allgegenwärtig und im Ansteigen, andererseits ist die Zahl hoch betagter Menschen eine immer größer werdende. Bei gleichzeitig kleiner werdenden Familienverbänden, wo doch die Familie in Österreich das größte Pflegepotential darstellt.

Hospiz Österreich hat viel gearbeitet und eine Vision für die Hospizarbeit und Pallia-tivbetreuung bis 2010 vorgeschlagen in der die Inhalte gelungener Betreuung be-schrieben sind.

Kostenlose Hilfe ist nicht kostenfrei!

Das Tageshospiz in Salzburg
- Lebensqualität ermöglichen
- Pflegende Angehörige entlasten

Neben der medizinischen und pflegerischen Betreuung durch unser hauptamtliches Hospizteam (Ärzte und Mitarbeiterinnen der Pflege) haben die PatientInnen bei uns auch die Möglichkeit, mit ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen Gespräche zu führen, Spaziergänge zu machen, zu malen, Musik zu hören, gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge, das Feiern von Festen, das alles sind wichtige Bestandteile unseres Alltags im Tageshospiz. Das Tageshospiz bietet an 3 Öffnungstagen pro Woche für jeweils 6 Personen einen Betreuungsplatz. Schwerkranke PatientInnen aus der Stadt Salzburg und Umgebung (Einzugsbereich von ca. 250.000 Einwohnern bis ins benachbarte Berechtesgadener Land) können wir neben der Aufnahme in unser Tageshospiz auch mobile Begleitung sowie unsere Schmerzsprechstunde anbieten. Das Tages-hospiz bildet auch den Stützpunkt für die mobile ehrenamtliche Hospizbegleitung. Die gute Zusammenarbeit mit dem benachbarten stationären Hospiz im Helga Treichl Hospiz ist eine ganz wichtige Grundlage für eine bedarfsgerechte Betreuungsstruktur in dieser Region. Für die PatientInnen sind alle Angebote kostenlos. Die selbst erwirtschafteten Mittel durch Veranstaltungen, Spenden, Mitgliedsbeiträge sind in den letzten Jahren sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentuell wesentlich angestiegen. Im gleichen Zeitraum ist aber die Höhe der öffentlichen Subventionen für die Arbeit im gesamten Bundesland nur wenig angestiegen. Der Prozentsatz der öffentlichen Gelder an den Gesamteinnahmen ist aber deutlich gesunken.

Ehrenamtliche Arbeit in Zahlen vom Jahr 2005:
Im gesamten Bundesland wurden ca. 16.200 Stunden ehrenamtlich gearbeitet. 58 % davon in der direkten Begleitarbeit – das ist eine Steigerung von über 16 % gegenüber dem Vorjahr.
Pro Woche leisteten 2005 im gesamten Bundesland 131 ehrenamtliche Hospizbe-gleiterInnen mehr als 307 Stunden. Der "Produktionswert" der von Prof. Badelt er-mittelt wurde, entspricht etwa € 2.154,-- pro Woche oder € 112.000,-- pro Jahr.
Es ist unter diesen Rahmenbedingungen sehr erfreulich, dass sowohl die Anzahl der Begleitungen, die Anzahl der Aufnahmen im Tageshospiz wie auch die Anzahl unserer MitarbeiterInnen stetig im Ansteigen ist. Nach meinem Verständnis ist die ehrenamtliche Arbeit nicht Ersatz oder Konkurrenz für bezahlte Arbeit und sie definiert sich auch nicht als Gegensatz zur professionellen Arbeit, aber diese HospizbegleiterInnen tragen ganz wesentlich und entscheidend zur Entlastung der Angehörigen bei und zwar oft weit über den Tod hinaus. Wenn diese Schieflage zwischen privat erwirtschafteten Mitteln und den öffentlichen Subventionen weiter zustimmt, werden wir den wachsenden Bedarf nicht abdecken können. Deswegen wünschen wir uns eine finanzielle Absicherung, nur dadurch ist ein Mehr an Planungssicherheit gegeben. Es fehlt nach wie vor an einer bundeseinheitlichen Linie bzw. an einer bundeseinheitlichen und effizienten Gesamtstrategie im Bereich Hospiz- und Palliativ-Care.
Es darf nicht sein, dass Qualität und Zugang zu einer leistbaren palliativen Versor-gung für Menschen davon abhängt, in welchem Bundesland oder in welcher Region jemand zufällig gerade lebt. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe der sich die Politik in verstärktem Masse zuwenden muss.
Das Thema Hospiz gehört in die Agenda einer zukünftigen Bundesregierung, wie immer die aussehen mag. Zuständigkeit für Hospiz- und Palliativversorgung muss klar zwischen Sozial- und Gesundheitswesen abgestimmt werden, gerade im Hin-blick auf eine verlässliche langfristige Finanzierungssicherheit.

Die Umsetzung ist dringend. Gilt es doch für jeden einzelnen Betroffenen wahr zu machen, was Ciseley Saunders, die Gründerin der modernen Hospizbewegung als Aufgabe beschrieb:
"Am Ende des Lebens sollten diesem nicht mehr Tage hinzugefügt, sondern den Tagen mehr Leben gegeben werden."