Exkursionen von Schulklassen auf die Palliativstation Hohenems

Dorit Jäger

EINLEITUNG: Die Palliativstation wird in der Öffentlichkeit sehr oft als reine Sterbestation angesehen. Wie sehen Jugendliche die Arbeit mit Schwerstkranken?
Wie empfinden sie die Stimmung auf solch einer Station? Wie ist ihre Einstellung zur Euthanasie? Diese Fragen veranlassten uns dazu, Exkursionen von Schulklassen auf die Palliativstation anzubieten und mittels Fragebogen vor und nach dem Besuch zu evaluieren.
METHODE: 10 Schulklassen mit insgesamt 147 Schülern (16-17 Jahre) besuchten zwischen Jänner und Juni 2006 im Rahmen des Religions- oder Ethik- Unterrichts die Palliativstation. Die ca. zweistündigen Exkursionen gliederten sich in eine theoretische Einführung, den Besuch der Station, ein Gespräch mit Patienten (falls möglich) und eine abschließende Diskussionsrunde.
Im 1. Fragebogen, den die Schüler vor dem Besuch zugeschickt bekamen, wurden unterschiedliche Aspekte zu Krankheit, Leiden und Tod sowie die persönliche Meinung zur Euthanasie abgefragt (numerische Skala von 1 bis 5: 1=ja, 5=nein).
Nach dem Besuch wurden nach ca. 2 Wochen die Eindrücke, die die Exkursion hinterlassen hat, und ev. Änderungen in der Einstellung zur aktiven Sterbehilfe evaluiert.
ERGEBNIS: Die Jugendlichen waren erstaunt über das „Leben“, das auf der Station herrscht, und fühlten sich trotz der Tatsache, dass schwerkranke Patienten hier liegen, wohl. Am nachhaltigsten beeindruckt waren sie von den persönlichen Kontakten und Gesprächen mit den Patienten. Die Frage „Befürwortest Du aktive Sterbehilfe?“ wurde sowohl im 1. als auch im 2. Fragebogen gestellt, und obwohl sich die Schüler dessen nicht bewusst waren, fand unter dem Eindruck des Besuches eine deutliche Graduierung in Richtung Ablehnung der Sterbehilfe statt.
DISKUSSION: Das Interesse der Schüler an palliativer Patientenbetreuung ist groß! Durch Exkursionen auf die Palliativstation lässt sich die Wertschätzung gegenüber alten und kranken Menschen gut vermitteln. Gleichzeitig wird damit auch ein wichtiger Beitrag in Richtung Meinungsbildung bezüglich aktiver Sterbehilfe geleistet.