Wohin führt die Brücke?

Dr. Franz Zdrahal

Wer in die Zukunft gehen will, tut gut daran, in die Vergangenheit zu schauen.
Am Anfang stand eine Idee. Bis zur Realisierung dauerte es immerhin zwanzig Jahre. St. Christopher’s Hospice wurde 1967 eröffnet. Schwerkranke Sterbende durften in Geborgenheit diese Welt verlassen, die Angehörigen konnten in ihrem Leid und ihrer Trauer begleitet werden. Diese Entwicklung trägt den Stempel von Dame Cicely Sounders. Sie beeinflusste auch maßgeblich den Wandel zur modernen Tumorschmerztherapie. Analgetika regelmäßig und rund um die Uhr. Schmerzprophylaxe statt erst Reaktion auf starken Schmerz. Lange vor der Revolutionierung durch retardierte Morphine erhielten die HospizärztInnen in Form des Brompton Coctails ein wirksames und zuverlässiges Werkzeug zur Linderung von Tumorschmerzen. Allmählich wurde die Beschränkung auf Tumorpatienten gelockert. Vor allem Menschen mit Motoneural Desease (ALS) wurden aufgenommen. Zur Erzielung einer größeren Breitenwirkung wurde bald nach Eröffnung von St. Christopher’s Hospice das erste Homecare Team ins Leben gerufen. Die Entwicklung in Österreich begann unbemerkt von der Öffentlichkeit 1985 im Wiener Krankenhaus des Göttlichen Heilandes. Aus den zehn Anästhesiebetten für Schmerz- und Palliativtherapie wurde 1992 die Hospiz-/Palliativstation St. Raphael. Seit 1989 arbeitet in Wien das erste Mobile Palliativteam, das Mobile Caritas Hospiz. Zahlreiche andere Initiativen entstanden bis heute. Die Statetments „Palliativmedizin? Haben wir schon immer praktiziert“ wurden seltener. Palliativlehrgänge für alle relevanten Berufsgruppen erfreuten und erfreuen rich regen Zuspruchs. Wie jedoch wird die Zukunft aussehen? Die Ausweitung des Diagnosespektrums schreitet zügig voran. Dies ist ausdrücklich zu begrüßen. Manche Hospizteams kümmern sich über an Karzinomen Erkrankte um alle Arten von Sterbenden und ihre Familien (z.B. die Hospizteams der Caritas der Ed. Wien in Wien und Niederösterreich). Die Vorgaben des ÖBIG-Konzeptes („Abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich“) werden derzeit von den Ländern in Länderspezifischen Hospiz- und Palliativplänen umgesetzt. Ziel ist es, palliative Betreuung für jeden, der sie braucht, kostenlos zur Verfügung zu stellen. Würde vom Prinzip der Kostenlosigkeit abgegangen, entstünde eine Zweiklassen-Sterbegesellschaft. Eine weitere Forderung für die Zukunft ist die Implementierung palliativer Haltungen sowie des palliativen Gedankengutes in alle Bereiche des Gesundheitssystems. Spitalsabteilungen zählen genauso dazu wie Pflegeheime, die Dienste für Hauskrankenbetreuung, niedergelassene ÄrztInnen sowie das Rettungs- und Notarztwesen. Es braucht realistische Konzepte, die sich mehr an den Bedürfnissen der Kranken und weniger an den Bedürfnissen der Finanzreferenten orientieren sollten.