Rituale für sterbende Menschen und Pflegepersonal

Karl Weinberger, Evangelischer Pfarrer und Krankenhausseelsorger

Sind Rituale not-wendig?
Seit ihrem Beginn kennt die Menschheit Rituale, insbesondere bei Lebensübergängen. Aus christlich- religiöser Sicht können wir sagen, dass unser Schöpfer uns Rituale gegeben hat damit wir davon „profitieren“. Rituale sind also für den Menschen da, nicht der Mensch für das Ritual.

Die Krankensalbung aus reformatorischer Sicht:
Hierbei handelt es sich nicht um ein Sakrament, da nach reformatorischer Sicht nur
Christus ein Sakrament einsetzen kann und uns im neuen Testament keine Krankensalbungen mit Öl von Jesus überliefert sind. Kernstück ist nach Jak.: 5, 15f das Gebet, nicht die Salbung, das Gebet gewährt die verheißene Sündenvergebung.
In den evangelischen Kirchen geriet daher die Krankensalbung in Vergessenheit.
Erst in der Mitte des vorigen Jahunderts stieg das Interesse daran deutlich, so dass seit den 90er Jahren die Kankensegnung mit Öl auch in den verschiedenen Agenden ihren „Einzug“ fand. Wenn auch das Gebet das Kernstück der Salbung ist, so kann die Krankensegnung mit Salbung, nach entsprechender Vorbereitung, von jedem Gemeindeglied vorgenommen werden.

Rituale für Pflegende auf den Palliativstationen
Durch intensive Pflege und Betreuung kommt es zwischen PatientInnen und den Betreuenden oftmals zu besonderen zwischenmenschlichen Beziehungen. Nicht selten steht die Schwester oder der Pfleger dem sterbenden Mitmenschen in seiner letzten Lebensphase am Nächsten. Dabei bleibt auch so manches offen und der wechselnde Dienst ermöglicht ein Verabschieden nur selten. Hilfreich ist es Trauer oder Abschiedsrituale für das Stationspersonal und die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zu entwickeln.