Kachexie: Ursache und Therapie

Univ. Prof. Dr. Herbert Watzke
Dr. Verena Gartner

Kachexie ist das nach dem Schmerz das zweithäufigste Symptom bei Malignompatienten. Sie tritt allerdings nicht nur bei diesen Patienten sondern auch bei Patienten mit schweren chronischen Entzündungen auf. So wie bei letzteren ist sie auch eine der häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten. Die Tumorkachexie ruft eine Reihe von Sekundärsymptomen hervor, die letztendlich in Summe den Tod des Patienten zur Folge haben. Dazu zählt vor allem die allgemeine Müdigkeit und Schwäche die auf dem Weg der Immobilität bei gleichzeitig bestehender Infektanfälligkeit zu oft letalen Infekten führt. Leitsymptom dafür ist ein bereits sehr früh im Krankheitsverlauf auftretender Verlust des Appetits. Die daraus resultierende Abnahme der zugeführten Nahrungsmenge führt in Verbindung mit den die Inappetenz auslösenden biochemischen Veränderungen der Patienten (Zytokin-Freisetzung) zur raschen Gewichtsabnahme.
Eigentlich Ursache einer Tumorkachexie sind vor allem Veränderungen im Zytokinmuster der Patienten, die durch die Tumorzellen hervorgerufen werden. Kennzeichnend ist eine Erhöhung des Tumor-Nekrose-Faktors alpha sowie der Interleukine IL-1 und IL-6 und Interferon gamma. Ihre Kachexie-fördernde Wirkung entfalten sie über eine Stimulation von Leptin. Leptin wird in Fettzellen gebildet, löst Hungergefühl aus wenn es vermindert ist und unterdrückt es, wenn es erhöht ist. Andere Mechanismen der Kachexie betreffen den Proteolysis-Inducing-Factor oder den Lipid-Mobilizing-Factor die den Muskelabbau und den Fettabbau fördern.
Therapeutisch steht in der Palliativmedizin die Erhaltung der Lebensqualität im Vordergrund. Deshalb sollte so lange wie möglich der oralen Ernährung der Vorzug vor anderen Ernährungsformen gegeben werden. Nur für einzelne Tumorentitäten wie etwa dem Magenkarzinom (vor allem nach Gastrektomie) sollte diese Regel durchbrochen werden. Im Bereich der medikamentösen Maßnahmen kann durch Kortikosteroide kurzfristig die Appetenz gesteigert werden (ohne dass ein entsprechender Gewichtszuwachs erfolgt). In kleinen Untersuchungsserien haben sich außerdem Megestrolacetat und Cannabinoide als hilfreich erwiesen.