Kommunikation mit Palliativpatienten

Prof. Dr. med. Matthias Volkenandt

Das Gespräch mit Patienten ist nicht nur eine der wichtigsten ärztlichen und pflegerischen Handlungen, sondern sicher ist es auch die häufigste ärztliche und pflegerische Handlung. Nichts tun wir häufiger – und in nichts haben wir weniger Ausbildung. So führt beispielsweise ein Onkologe in seinem Berufsleben mehr als 20.000 Aufklärungsgespräche über eine bösartige Erkrankung.

Die Art und Weise der Mitteilung einer Diagnose sowie der Umgang mit Ängsten des Patienten bestimmt wesentlich das Befinden der Betroffenen. Auch die Lebensqualität des Arztes entscheidet sich am Gelingen von Kommunikation („Stress habe ich immer, doch richtig erschöpft bin ich abends nur, wenn wieder etwas mit der Kommunikation völlig misslang.“). Misslungene Kommunikation ist ein Hauptgrund der Enttäuschung und Unzufriedenheit von Patienten – unabhängig vom Behandlungsergebnis („Der Arzt hat mich nicht verstanden, er hat mir nicht zugehört, er hat mich beim Gespräch nicht einmal angeschaut“.). Gelungene Kommunikation ist ein Hauptgrund der Zufriedenheit von Patienten.
In der medizinischen Ausbildung wird zu mehr als 90% Faktenwissen vermittelt (frontal lehrbar, zentral prüfbar). Fertigkeiten (z.B. „Communication Skills“) und Haltungen sind schwerer vermittelbar, behalten jedoch im Unterschied zur kurzen Halbwertzeit des Faktenwissens eine fast lebenslange Bedeutung.
Kommunikative Kompetenz ist lehrbar und lernbar. Meinungen wie zum Beispiel „Kommunikation kann man oder kann man nicht“, „reden kann doch jeder“ oder „das lernt man schon mit der Zeit“ sind vielfach widerlegte Irrtümer.
Weil die Ausbildung nahezu ausschließlich fachliches Wissen vermittelte, meinen viele Ärzte und Pflegende irrtümlich, dass im Gespräch mit Patienten nahezu ausschließlich ihr fachliches Wissen gefordert ist – und etwa auf die Aussage „Ich habe solche Angst vor der Chemotherapie“ folgt eine Erklärung der Zuverlässigkeit der modernen Antiemetika und auf die Frage „Was machen wir, wenn die Therapie nicht wirkt?“ folgt die Erklärung der Second-Line-Therapie. Was aber, wenn der Patient meinte „Ich habe solche Angst, dass wir das nicht schaffen!“
Die Verbesserung unserer technischen Kommunikationsmittel führt zwar zu mehr Informationsaustausch, jedoch bei weitem nicht selbstverständlich zu mehr Verständigung zwischen Arzt und Patient (W. Kappauf). Es ist ein Verdienst der Palliativmedizin, die Bedeutung der Kommunikation mit Patienten erneut und verstärkt ins Bewusstsein zu rufen und so zu einer Veränderung der gesamten Medizin beizutragen.