Neueste Entwicklung: Palliative Care in Deutschland (Überblick)

Dr. Thomas Schindler

Die Entwicklung der Palliativversorgung in Deutschland war in den letzten 15 Jahren durchaus erfreulich. Nicht zuletzt durch das Engagement der Hospizbewegung wurde auch in den traditionellen Strukturen des Gesundheitswesens der Begleitung und Betreuung unheilbar kranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen eine immer größere Beachtung geschenkt. Es entstanden mehr als 1000 ambulante Hospizdienste, deren Förderung durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) seit dem Jahr 2002 auch Bestandteil der deutschen Sozialgesetzgebung ist (§ 39a Abs.2 SGB V). Schwerpunkt der ambulanten Hospizdienste ist das Angebot psychosozialer Sterbebegleitung durch geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Im stationären Bereich entwickelten sich eigenständige Strukturen (Palliativstationen und Stationäre Hospize), in denen multiprofessionelle Teams (Ärzte, Pflegende, Sozialarbeiter und andere) die Betroffenen versorgen. Gab es 1990 erst sechs solcher Einrichtungen, ist die Zahl bis heute auf ca. 260 angewachsen (120 Palliativstationen und 140 Stationäre Hospize), was zur Zeit einer Bettenzahl von 27 pro 1 Mio Einwohner entspricht. Ambulante Palliativdienste (= Mobile Teams), also multiprofessionell organisierte Strukturen zur palliativmedizinischen und palliativpflegerischen Versorgung der Betroffenen im häuslichen Bereich sowie zur Beratung der Leistungserbringer in der Primärversorgung (z.B. Hausärzte, Pflegedienste) gibt es hingegen erst an wenigen Standorten und deren Finanzierung war bisher auch völlig ungesichert.

Durch die geplante Gesundheitsreform in Deutschland (GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz), die am 1.April 2007 in Kraft treten soll, wird der Palliativversorgung ein deutlich höherer Stellenwert zukommen als bisher. Dies geschieht in erster Linie dadurch, dass ein eigenständiger Leistungsanspruch auf eine „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ in das SGB V eingeführt wird. Dafür sollen die Krankenkassen im Jahr 2007 80 Mio Euro zur Verfügung stellen, eine Summe, die bis zum Jahr 2010 auf 240 Mio Euro pro Jahr anwachsen soll. Von diesem Geld sind in erster Linie multiprofessionell besetzte Palliative Care Teams zu finanzieren, die in einem Einzugsbereich von etwa 250.000 Einwohnern komplementär und sektorenübergreifend tätig werden sollen. Die genaue Aufgabe dieser Teams und ihre Verankerung in den Strukturen des Gesundheitswesens sowie die Art und Weise ihrer Zusammenarbeit mit den anderen Leistungserbringern soll im Laufe der nächsten Monate definiert werden. Im Rahmen der geplanten Gesetzgebung sollen auch einige weitere Novellierungen der bisherigen Hospizgesetzgebung durchgeführt werden. Nicht direkt betroffen von der Reform ist der Betrieb und die Finanzierung der Palliativstationen. Aber auch in diesem Zusammenhang ist es im Rahmen der Einführung und der Weiterentwicklung des DRG-Systems zur Krankenhausfinanzierung sowie durch das Engagement einzelner Bundesländer zu einigen aktuellen Veränderungen gekommen, die deutlich machen, dass der Palliativversorgung auch in Krankenhäusern ein immer größerer Stellenwert zukommt.

Im Vortrag auf dem 2. Österreichischen Palliativkongress in Salzburg soll ein Überblick über den aktuellen Stand der gesundheitspolitischen Bemühungen gegeben werden, den Stellenwert der Palliativversorgung im deutschen Gesundheitswesen zu stärken.