Literarische Früchte am palliativen Weg

Dr. Harald Retschitzegger

"Pedro ist am Sonntagabend gestorben. Gut, daß es abends war, wenn er am Morgen gestorben wäre, hätte ich den ganzen Sonntag allein sitzen müssen. So war es besser, am Abend, besser für ihn und für mich.“ (Olga Tokarczuk)

Prolog: Seit Beginn der ärztlichen Ausbildung steht die Auseinandersetzung mit Palliative Care im Vordergrund der beruflichen Tätigkeit des Referenten – und zu jeder Zeit waren ihm Lesen und Bücher hilfreiche und lebensnotwendige Wegbegleiter. Beeindruckt davon, wie intensiv sich nicht nur die einschlägige Fachliteratur, sondern auch die belletristische Literatur mit den Themen Kranksein, Sterben und Tod beschäftigt, entwickelte sich die Idee, die Früchte einer gelebten Bibliophilie reifen zu lassen und Interessierten zur Kostprobe anzubieten.
Dialog: Nicht systematische Analysen bestimmter literarischer Werke, sondern subjektive Leseerfahrungen prägen die Aussagen dieses Vortrages. Anhand der klassischen Schlüsselthemen palliativer Betreuung wie Kommunikation, Teamarbeit und Symptomkontrolle werden Beispiele aus der belletristischen Literatur in Zusammenhang mit erlebten Erfahrungen bei PalliativpatientInnen und Angehörigen gebracht.
Der Weg führt von in der Palliativliteratur immer wieder genannten Autorinnen und Autoren wie Simone de Beauvoir oder Theodor Storm hin zu subjektiv kostbaren Entdeckungen zeitgenössischer Literatur von A. L. Kennedy oder Michel Birbaek. Mit köstlichem Humor zeigt Letzterer, daß allein der Titel eines Buches ein Grundprinzip guter Lebensqualität ausdrücken kann: „Was mich fertig macht, ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen“ (Michel Birbaek).
Epilog: Die Einladung, sich mit dem Referenten gedanklich auf den Weg zu machen, beinhaltet eine Reise durch bunte und fruchtbare literarische Landschaften, in denen sich Früchte finden lassen, die vielleicht entspannen oder nachdenklich machen, die hungrig oder satt machen, die berühren oder bewegen können, oder die Anregungen zum persönlichen Prioritätenmanagement enthalten:
„Wer…liest, gewinnt Zeit.“ (Peter Handke)