Lebensqualität aus der Sicht eines Arztes

Dr. Peter Reichenpfader

Lebensqualität beschreibt die Höhe persönlicher Zufriedenheit. Diese wächst mit der Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen im körperlichen, geistigen, seelischen und materiellen Bereich, ausgehend von der aktuellen Lebenssituation (Deutsche Stiftung LebensQualität). Alleine in der Medizin existieren 800 Parameter zum Thema Lebensqualität (Quelle Wikipedia). Überleben an Tagen alleine gemessen, rechtfertigt schon seit einiger Zeit weder die an ansonsten nicht betroffenen Organsystemen verursachten Schäden, noch die teilweise exponentiell steigenden Therapiekosten. Seit etwa 20 Jahren beschäftigen sich ÄrztInnen mit dem Thema „Lebensqualität der PatientInnen“ als Erfolgsarameter in der Therapie (z.B. Gesundheitsbezogene Lebensqualität - ein wesentliches Ziel der modernen Medizin? Wedeler Gespräche zur Sozialmedizin am 3. November 1999).
Ob Hospizbewegung und Palliativmedizin einen Anstoß dazu gaben ist Spekulation. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass das Ausmaß der Forschung zu diesem Thema stark mit der zunehmenden Bedeutung dieser am Patienten und seiner Lebensqualität (auch und gerade am Ende des Lebens) orientierten Betreuungsform zu tun hat. Auch wenn die Studien gerade zu dieser Fragestellung Anlass zu Hinterfragung geben (WER misst WAS), ist dies nicht Ansatz des Referates.
Dieser beginnt einen Schritt früher mit der Frage: Was berechtigt einen Arzt überhaupt zu diesem Thema Stellung zu nehmen. Trotz eines in Umfragen immer wieder bestätigen hohen sozialen Ansehens in der Gesellschaft (Nummer 1 noch vor Priestern) und der Möglichkeit „helfend“ arbeiten zu können, kommt es gerade in diesem Beruf sehr häufig zu Alkoholismus, Zynismus, Burnout (mindesten 20% der Ärzte laut Deutsches Ärzteblatt 101, Ausgabe 33 vom 13.08.2004) und Suizidalität.
Aus eigener Erfahrung nach vielen Jahren an einem „Akutkrankenhaus“ und 5 Jahren als ärztlicher Leiter des Helga Treichl Hospizes, erkläre ich warum es mir heute in meinem Beruf besser geht als je zuvor, gehe auch auf schwierige Situationen in der Betreuung ein und gebe den Zuhören Möglichkeit etwas für sich „mitnehmen zu können“.
Palliativmedizin als Chance auch für das Erkennen „Helfen kann nur, wer sich selber hilft“ oder über Lebensqualität kann ich glaubhaft eigentlich nur sprechen, wenn ich sie für mich selbst ermögliche.