Der chronische Schmerzpatient und der Schmerzpatient in der Palliativmedizin

Lukas Radbruch, Frank Elsner

Schmerztherapie und Palliativmedizin werden oft in einem Atemzug genannt und manchmal fast synonym benutzt. Die Behandlung von quälenden und anhaltenden Tumorschmerzen scheint die unabdingbare Voraussetzung, um den Patienten zu einem Lebensende in Würde begleiten zu können. Ebenso können bei anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen wie HIV/AIDS starke Schmerzen die Lebensqualität des Palliativpatienten völlig zerstören.
Bei der Betonung der Bedeutung der Schmerztherapie in der Palliativmedizin darf aber nicht übersehen werden, dass die Behandlung von Palliativpatienten und von Patienten mit chronischen nicht-malignen Schmerzen deutliche Unterschiede ausweist. So wird bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen oder mit Fibromyalgie der erste Ansatz oft in einer Diskussion über das Therapieziel liegen, da eine Schmerzreduktion bei vielen Patienten nicht möglich ist, eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag hingegen schon. In der Palliativmedizin ist demgegenüber eine Funktionsverbesserung bei reduziertem Allgemeinzustand oft nicht mehr möglich, eine Schmerzlinderung aber fast immer. Im Umgang mit chronischen Schmerzpatienten ist für den Therapeuten eine klare Festlegung der Umgangsregeln und der eigenen Grenzen von hoher Bedeutung, während das Behandlungsteam in der Palliativmedizin flexibel und bedarfsadaptiert auf die Bedürfnisse des Patienten reagieren will. Andere Differenzen betreffen den Stellenwert der Analgetika und Koanalgetika. So werden auch gering ausgeprägte Nebenwirkungen bei chronischen Schmerzpatienten im Verlauf von Monaten und Jahren unerträglich belastend empfunden, während in der Palliativmedizin einzelne Nebenwirkungen sogar als angenehm empfunden werden können, wenn z.B. die Sedierung wieder den Nachtschlaf herstellt.
Die Unterschiede in der Behandlung und Begleitung von chronischen Schmerzpatienten und Palliativpatienten mit Schmerzen sollte dem Behandlungsteam vertraut sein, da sonst Belastungen zwischen Patient und Team, aber auch im Team auftreten können.