Humor – eine Möglichkeit in der Palliativmedizin

Inge Patsch, Logotherapeutin, Buchautorin

Sterben ist nur eine Sache, die Anlass gibt, traurig zu sein. Unglücklich zu leben ist eine andere. Morrie Schwartz

Auf einem ägyptischen Grabstein fand man geschrieben "Ich bemühte mich, das Lächeln der Weinenden zu sein”. Dies muß eines großen, eines sanften, eines erhabenen Menschen Vorsatz gewesen sein. Was aus dieser Bemühung wurde - ob sie Erfolg hatte oder keinen - ist nicht überliefert; das ist auch gar nicht so wichtig. Dass einer sol-chen Lebensinhalt sich wählte, zeigt seine Größe, seine Weisheit; denn er wollte sich nicht vornehmen, die Weinenden vom Weinen abzubringen oder die Weinenden zu trösten - wer kann dies?!
Aber in das unaufhaltbare Weinen auf Erden ein Lächeln zu bringen und dies Lächeln nicht mit irgendwelchen Mitteln zu besorgen, son-dern mit nichts anderem als mit dem eigenen persönlichen Leben - dies ist viel, dies ist groß - dies ist tiefe Weisheit eines sanften Herzens.
Diese Gedanken von Diego Hanns Goetz bringen uns auf die Spur des Geheimnisses, das in jedem Menschen schlummert. Das Lächeln der Weinenden ist fast so etwas wie die unerschütterliche Gewissheit, dass das Leben, die Liebe und das Lachen stärker ist als alles andere. Auch stärker als der Tod. Ein Mensch erlebt dieses Lächeln der Weinenden in der Entdeckung, dass es ihm trotz körperlicher und seelischer Schmerzen möglich ist sich zu freuen. Schwierig wird es dann, wenn ein leidender Mensch noch immer funktionieren soll. Manche Menschen haben in schwierigen Situationen eines gelernt: Jammern. Klagen ist wichtig und Trauern über den Verlust der Gesundheit wesentlich. Doch das permanente Jammern ist wie ein Schwimmen im Meer des Selbstmitleids. Betroffene, die im Meer des Selbstmitleids auf Rettung warten, sind darauf fixiert, dass sich die Bedingungen verändern. Sie sehen weder das Rettungsboot noch das rettende Ufer. Beides verschwimmt im Nebel der endlosen Jammerei, der aus dem Meer des Selbstmitleids aufsteigt.
„So sehr ich auch kämpfe, lebend komme ich aus der Welt nicht raus.“ Dieser Gedanke findet sich in der Biografie über Viktor E. Frankl, dem Begründer der so genannten dritten Wiener Richtung der Psychotherapie, der Logotherapie. Besonders die Logotherapie schätzt Lebensfülle im Verwirklichen von Kreativität und schöpferischen Tätigkeiten und ebenso das Erleben von Begegnung mit Mensch und Natur, Malerei und Musik und Literatur. In der Logotherapie finden wir auch die Erkenntnis, dass Leistungs- und Genussfähigkeit nicht ausreichen das Leben und vor allem die Zeit des Sterbens zu bewältigen.