Patient im Spannungsfeld zwischen Medizin, Ethik, Ökonomie und Politik

HR Prim. Prof. Dr. Christian Menzel

Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen zeigt eine dramatische Entwicklung: die Schere zwischen medizinisch-technischem Fortschritt, Gesundheitsanspruch und der demokratischen Entwicklung unserer Bevölkerung öffnet sich immer weiter. Der abnehmende Ertragszuwachs des Einzelnen wird immer mehr zur ökonomischen Grundregel, welche die Mittelzuteilung im Gesundheitsbereich zunehmend deutlicher beeinflusst. Bis zum 60. Lebensjahr ist die Lebenserwartung ohne besondere Kosten zu bewerkstelligen, dann allerdings bestimmt eine rationale und volkswirtschaftliche wirksame Kostenprogression mit negativem Ertragszuwachs das gesamte Gefüge der Mittelverteilung: dem steht ein wachsendes Gsundheitsbedürfnis des Einzelnen und ein daraus resultierendes Anspruchsdenken gegenüber. Die politischen Botschaften können teilweise aus Illusion, Irrtum und Unwahrheit wahrgenommen werden, die Versprechungen sind weder logistisch noch finanziell leistbar.

Das ökonomische Denken steht aufgrund einer im Vordergrund stehenden Kosten-Nutzen-Rechnung im Konflikt zur ärztlichen Ethik und berechtigten potentiell lebensnotwendigen medizinischen Leistungen des Individuums. In der Mikro-Allokation (Verteilung der Mittel unter konkreten Patienten) wird dem Arzt eine Letztverantwortung übertragen, die er zunehmend häufiger nicht mehr zu übernehmen in der Lage ist.