Kommunikation mit demenzkranken Palliativpatienten

DDr. Marina Kojer

Bereits seit Jahren besteht Konsens darüber, dass Demenz eine terminale Erkrankung mit gravierenden Schmerzen und anderen quälenden Symptomen ist. An fortgeschrittener Demenz leidende Menschen sind Palliativpatienten, die entsprechend behandelt und betreut werden müssten (exemplarisch: Volicer L: Dementia. In: Voltz R et al Palliative Care in Neurology 2004). Doch was resultiert bisher im Großen und Ganzen aus dieser Erkenntnis? Die grundsätzliche Bereitschaft Leiden zu lindern scheitert häufig daran, dass es den Betreuern nicht gelingt herauszufinden, was schwer kontaktierbaren Demenzkranken fehlt. Wenn die gewohnten Kommunikationsroutinen versagen, bleiben Schmerzen und seelische Bedürfnisse zumeist unerkannt und ungelindert. Auch mit den in den vergangenen Jahren entstandenen einschlägigen Schmerztests gelang es nicht etwas Wesentliches an diesem Dilemma zu verändern. Gelingende Kommunikation lässt sich nicht durch das Ankreuzen von Verhaltensauffälligkeiten ersetzen.
Kommunikation ist die einzig gangbare Brücke vom Ich zum Du. Wenn diese Brücke zusammenbricht bleiben hilflose Demenzkranke allein und unverstanden, ausgeschlossenen aus der Welt der anderen. Ihnen bleibt als einziger Ausweg die innere Emigration, der Rückzug in das eigene Innere. Daran können auch Palliativkonzepte für die Gestaltung des Lebensendes nichts ändern. Wenn das Leben unter unwürdigen Bedingungen verlaufen musste, kommt der Versuch der Würdigung am Totenbett eindeutig zu spät.
Demenzkranke haben wie jeder andere das Recht auf kommunikative Grundversorgung (vergl.: Dörner K: Der gute Arzt, 2001)! Kontaktaufnahme und Beziehungsaufbau gelingen indes nur, wenn wir den Kranken respektvoll und wertschätzend begegnen. Bleibt der Blick auf ihre Defizite gerichtet, wird die innere Distanz zu ihnen zu groß um ihre Ressourcen zu erkennen und Kontakt aufzunehmen. Wer mit dementen Menschen kommunizieren möchte, muss bereit sein ihnen auf der Ebene der Mitmenschlichkeit von Du zu Du zu begegnen und ihre Sprache zu erlernen (dies gelingt am besten mit Hilfe der Validation nach N Feil).
Ist die Demenz weit fortgeschritten verlieren Worte immer mehr an Bedeutung. Die Kommunikation findet ausschließlich auf der Gefühlsebene statt. Sie wird vor allem durch Berührungen und Körperkontakt gespeist. Aufgabe der Helfenden ist es sich täglich von Neuem darum zu bemühen den Weg zu den Kranken zu suchen und zu finden.