Stellenwert der invasiven Verfahren in der Palliativmedizin

Prim. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias

Die Möglichkeiten der medikamentösen Schmerztherapie werden in immer kürze-ren Intervallen durch neue Analgetika, Coanalgetika und Adjuvantien bereichert, dennoch gibt es Grenzsituationen, wo auch bei Ausschöpfung aller medikamentö-sen Kombinationsregimes und Anwendung der modernsten Pharmaka keine aus-reichende Analgesie bei gleichzeitig gewährleisteter Gesamtlebensqualität erreicht werden kann. Dies ist der Zeitpunkt wo es gilt die Einsatzmöglichkeit eines invasi-ven Verfahrens für die individuelle Situation zu prüfen. Grundsätzlich stehen hier folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

1. Die rückenmarksnahe oder intraventrikuläre Applikation von Schmerzmitteln über implantierte Port-Systeme und externe Pumpen oder implantierte Pumpen-systeme mit kontinuierlicher Medikamentenabgabe (Gasdruck- und Elsastome-pumpen) oder programmierbare Systeme mit PCA-Modus (Synchromed I & II mit PTM) wobei bereits ein reichhaltiges Sortiment von derart verabreichbaren Sub-stanzen bereit steht.
Einsatz bei mittlerer bis langer Lebenserwartung

2. Die kontinuierliche Applikation von Medikamenten über extern herausgeleitete Kathetersysteme, spinal, epidural, intravenös, subcutan.
Einsatz zum Test oder bei kurzer Lebenserwartung; die systemischen Nebenwirkungen sind bei intravenöser und subcutaner Anwendung gleich wie bei enteraler oder transcutaner Anwendung.

3. Die Neurolyse mittels chemischer (Alkohol, Phenol, Ammoniumsulfat, Hypertones NaCl) und physikalischer Methoden (HF-Neurolyse, Kryolyse, Hypersonische Lyse) Die Anwendung ist dahingehend beschränkt, als nur wenig Nozizeptive Strecken ohne gleichzeitige Schädigung von funktionell wichtigen Bahnen gezielt lysiert werden können.
Einsatz bei somatisch oder vegetativ klar abgrenzbaren Schmerzen (z.B. intrathekale Neurolyse, Plex.Coeliacus Blockade)

4. Die kurzfristige Unterbrechung der Schmerzleitung mittels Injektion von Lokalanästhetika über Kathetersysteme oder als Einzelinjektionen.
Einsatz bei akuten Schmerzkrisen zur Überbrückung.