Krankheit, Trauer, Liebe.
Was wir von Kindern lernen können.


Prof. Dr. med. Stein Husebø

Zu den wenigen, radikalen Fortschritte der Medizin im letzten Jahrhundert, gehört die dramatische Reduktion der Säuglings- und Kindersterblichkeit. Auch in der Kinderonkologie ist die Heilungsrate bei den meisten Krebsformen um ein vielfaches höher als bei den Erwachsenen. Obwohl heute erfreulicherweise wenige Kinder sterben, ist es für den Angehörigen fast immer eine dramatische Herausforderung wenn es passiert.

2 von 3 Kindern werden in ihren ersten 15 Lebensjahren den Tod eines nahen Verwandten (Eltern, Geschwister, Grosseltern) erleben. Das bedeutet, dass eine sehr große Anzahl Kinder jedes Jahr nahe Angehörige von Sterbenden sind, in Österreich weit mehr als 100.000 jährlich.

Um diese sterbende Kinder und Kinder als nahe Angehörigen von Sterbenden optimal zu betreuen, ist die grundlegende Voraussetzung eine offene Integration in offenen, vorbereitenden Kommunikationsprozessen. Der größte Feind von Kindern, ist die fehlende Offenheit in der Umgebung.

Kindern bekommen massive Probleme, auch mit der Trauer, wenn das Umfeld ihnen die Möglichkeit beraubt, die Situation zu erfassen. Kindern können sich optimal verhalten zu Krisen, wenn sie sie erkennen und verstehen.

Wenn diese Offenheit und Integration der Kinder in Kommunikationsprozessen gelingt, zeigt es sich immer wieder, dass die Kinder unendlich profitieren. Noch mehr, die Kinder sind eine sehr unterschätzte Quelle in der offenen Kommunikation. Sie stellen die wichtigen Fragen. Sie lachen und weinen. Sie trösten, und werden gerne getröstet.

Die größte Bedrohung dieser Kinder, sind Eltern oder Personal im Gesundheitswesen, die sie nicht sehen, die sie nicht aufsuchen in offenen Kommunikationsprozessen, die sie vor der Wahrheit schützen, weil sie selber mit der Wahrheit Probleme haben.

Husebö S. Trauer und Liebe. Was wir von Kindern lernen können. Lambertus Verlag 2005.