Schmerzerfassung und Schmerztherapie bei Patienten mit eingeschränktem Bewusstsein

Bettina Sandgathe Husebø, MD

Zunehmendes Alter und/oder fortschreitende Tumorerkrankungen sind assoziiert mit der Zunahme von Schmerz.1-3 Die Wahrnehmung von Schmerz ist immer subjektiv und abhängig von der Erinnerung des Patienten, seiner Erwartungshaltung und seinen Emotionen. Wenn ältere Patienten mit eingeschränktem Bewusstsein aufgrund einer Demenz oder bei fortgeschrittener Tumorerkrankung eine reduzierte Kommunikation entwickeln, besteht eine grosse Gefahr der fehlenden Erfassung und somit mangelhafter Behandlung von Schmerz.4

In Europa entwickeln 2% der Bevölkerung eine Demenz relatierte Erkrankung, die Hälfte von ihnen Alzheimer`s Demenz. Die Prognose für 2050 prophezeit einen Anstieg auf 4% der Bevölkerung. Ältere Menschen über 60 Jahre sind von dieser Entwicklung in 5-10% betroffen und 50% der Menschen älter als 85 Jahre.5 In europäischen Pflegeheimen leiden 70% der Patienten unter einer dementiellen Erkrankung.

In dieser Situation stellt sich weniger die Frage, ob diese Patienten einen Bedarf für Palliative Care haben, als viel mehr die Frage, nach einem differenzierten speziell angepassten palliativem Angebot für Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ihr Leiden zu beschreiben.

Mobility – Observation – Behaviour – Intensity – Dementia Pain Scale (MOBID) ist ein Fragebogen, entwickelt für Pflegepersonal, zur Erfassung von Schmerz bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz oder reduziertem Bewusstsein.6 Die Entwicklung dieses neuen Instrumentes und vorläufige Resultate von Reliabilitäts- und Validitätstestung werden presentiert.

Nicht nur die Schmerzerfassung, sondern auch Aspekte der Schmerztherapie müssen bei Patienten mit eingschränktem Bewusstsein neu überdacht werden. Obwohl eine adäquate Schmerztherapie gefordert wird, reagieren diese Patienten nicht selten mit Zeichen von Überdosierung und die Erfassung von Responsiveness ist erschwert. Die multifaktorielle Problemstellung bedarf einer Therapie mit multidisziplinärem Ansatz unter physischen, psychischen, sozialen und seelischen Aspekten.7


References

  1. AGS Panel on Chronic Pain in Older Persons. The management of chronic pain in older persons. J Am Geriatr Soc 1998;46:635-651.

  2. Ferrell BA, Ferrell BR, Osterweil D. Pain in the Nursing-Home. J Am Geriatr Soc 1990;38(4):409-414.

  3. Teno JM, Kabumoto G, Wetle T, Roy J, Mor V. Daily pain that was excruciating at some time in the previous week: Prevalence, characteristics, and outcomes in nursing home residents. J Am Geriatr Soc 2004;52(5):762-767.

  4. Krulewitch H, London MR, Skakel VJ, Lundstedt GJ, Thomason H, Brummel-Smith K. Assessment of pain in cognitively impaired older adults: A comparison of pain assessment tools and their use by nonprofessional caregivers. J Am Geriatr Soc 2000;48(12):1607-1611

  5. Ferri CP, Prince M, Brayne C, Brodaty H, Fratiglioni L, Ganguli M et al. Global prevalence of dementia: a Delphi consensus study. Lancet 2005;366(9503):2112-2117.

  6. Husebo BS, Strand LI, Moe-Nilssen R, Husebo SB, Snow AL, Ljunggren AE. Mobility - Observation - Behaviour - Intensity - Dementia Pain Scale (MOBID): Development and Validation of a Nurse-Administered Pain Assessment Tool for Use in Dementia. J Pain Sympt Manage 2006;accepted for publication

  7. Husebo BS, Husebo S. Palliative care - also in geriatrics? Schmerz 2001;15(5):350-+