Alter - Lebensqualität und Menschenwürde

Univ.-Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber
Ullrich Meise

Die "Erklärung zum Welt-Ethos" des Jahres 1993 hält folgendes fest: Jeder Mensch - ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, körperlicher oder geistiger Fähigkeit, Sprache, Religion, politische Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft - besitzt eine unveräußerliche und unantastbare Würde. Alle, der Einzelne wie der Staat, sind deshalb verpflichtet, diese Würde zu achten und ihren wirksamen Schutz zu garantieren. Immer häufiger wird alten Menschen aber nicht nur deren Wert sondern auch deren Würde abgesprochen. So ist in den offiziellen "Richtlinien für die Altersheime der Stadt Zürich" folgender Schaudern einflößender Satz zu lesen: Damit wird aber fraglich, ob man überhaupt von der Menschenwürde schwer dementer Menschen sprechen kann.
Im Postulat der allgemeinen Menschenwürde ist der Begriff "Patientenwürde" enthalten, auch jener der Würde des Altersheimbewohner. Niemals darf der Mensch seiner Würde verlustig gehen, wenn er als Patient medizinisch Behandlung beansprucht oder als Altenheimbewohner Pflege und Zuwendung benötigt.
In den Niederlanden, in Belgien und im US-Bundesstaat Oregon ist die Tötung von alten und kranken Menschen aus dem Strafrecht und der Strafverfolgung ausgeklammert. Die Aberkennung der Menschenwürde gegenüber schwer dementer Menschen imponiert als unterstützendes Argument der Verwahrungsvereinfachung hilfsbedürftiger Menschen, kaschiert in zynischer Weise Defizite im zwischenmenschlichen Umgang und rechtfertigt nicht nur die Streichung von finanziellen Ressourcen, von Dienst- und Budgetposten sondern fördert auch die aktive Sterbehilfe und den ärztlich assistierten Suizid. Ein Rückfall in überwunden geglaubte Barbarei ist nahe. Es gilt wachsam zu sein.