Atemnot

Dr. Claudia Bausewein MSc

Atemnot ist ein häufiges Symptom bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen (40 - 60%), besonders in der letzten Lebensphase. Aber auch Patienten mit internistischen und neurologischen Erkrankungen leiden haufig unter diesem Symptom. Atmnot wird unterschiedlich definiert, die Treffendste scheint zu sein, daß „Atemnot das ist, was der Patient, der sie erlebt, beschreibt“. Die Messung von Atemnot ist schwierig, besonders da es kaum eine Korrelation mit physiologischen Parametern gibt. Bei den vorhandenen Skalen gibt es keine, die alle relevanten Bereiche abdeckt, so dass immer eine Kombination von Skalen empfohlen wird.
Nach der Behandlung der reversiblen Ursachen wie Pleuraerguß, pulmonale Stauung, Infektion u.a. stehen pharmakologische und nicht-pharmakologische Verfahren zur Verfügung. Besonders die nicht-pharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten wie Physiotherapie, Atemtherapie, einfache Entspannungstechniken und Anpassung der Aktivitäten des täglichen Lebens nehmen einen breiten Raum ein. Es gibt aber fuer diese Therapieformen keine eindeutige Evidenz. Da das Erleben von Dyspnoe für den Patienten nahezu immer mit Angst verbunden ist, muß diese unbedingt, z.B. durch entsprechende Panikmanagementstrategien, mit behandelt werden.
Bei der pharmakologischen Therapie steht die Behandlung mit Opioiden im Vordergrund. Hier besteht eine sehr gute Evidenz. Bei gleichzeitigem Bestehen von Angst sollten Benzodiazepine in Kombination mit Opioiden gegeben werden. Daneben können Steroide und Bronchodilatoren in Einzelfällen eingesetzt werden. Manche Patienten profitieren von der Inhalation von Kochsalzlösung oder Medikamenten. Insbesondere die Inhalation von Morphin wird aber kontrovers diskutiert. Sauerstoff sollte kritisch eingesetzt werden bei Patienten mit einer erniedrigten Sauerstoffsättigung eingesetzt werden.
Die Behandlung von Patienten mit Atemnot verlangt einen individuellen und ganzheitlichen Ansatz, genau wie bei anderen Symptomen in der Palliativmedizin. Neben der physischen Komponente haben psychosoziale und spirituelle Aspekte einen hohen Stellenwert, da die Erfahrung von Atemnot für die Patienten häufig belastender und bedrohlicher ist, als die Erfahrung anderer Symptome.