Was ist Lebensqualität in der Palliativmedizin?

Prof. Dr. med. Gian Domenico Borasio

Nach der Definition der WHO ist das Ziel der Palliativmedizin die Verbesserung der Lebensqualität. Allerdings gibt es noch keinen allgemein akzeptierten Konsens über die genaue Definition des Begriffs „Lebensqualität“. Ebenso wenig gibt es eine allgemein als „Gold Standard“ anerkannte Methode, um Lebensqualität qualitativ oder quantitativ zu erfassen. Dabei geht es in der Palliativmedizin nicht nur um die Lebensqualität der Patienten, sondern auch um diejenige der Angehörigen. Die oft vernachlässigte Frage nach der Lebensqualität der professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Palliativbetreuung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
In der Vergangenheit wurden verschieden Lebensqualitätskonzepte entwickelt und z.T. ausführlich wissenschaftlich überprüft, darunter der sog. „Calman-Gap“, sowie die „gesundheitsbezogene“ und die „individuelle“ Lebensqualität. Die Forschung der letzten Jahre hat die Wechselbeziehungen zwischen der physischen, psychosozialen und spirituellen Komponenten der Lebensqualität untersucht. Die Bedeutung transkultureller Aspekte wurde dabei deutlich. Einzelne Projekte haben den Bezug des theoretischen Konstrukts der „Lebensqualität“ zu anderen Begriffen wie z.B. Lebenssinn, Wertvorstellungen, Hoffnung oder Würde beleuchtet. Das Konzept der „individuellen Lebensqualität“ hat eine Reihe wichtiger klinischer und wissenschaftlicher Implikationen für die Palliativmedizin.