Wieviel Psychologie braucht die Palliative Care ?

Dr. med. Steffen Eychmüller

Der provokative Titel ist aus der Perspektive eines Arztes in der Palliative Care an einem grossen Lehrkrankenhaus in der Schweiz formuliert. Unbestritten wird wohl sein, dass die Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden in einem multiprofessionellen Team viele Facetten psychologischer Fähigkeiten benötigt: allein beim sog. "palliativen Assessment", aber auch beim gemeinsamen Definieren von Behandlungs-Prioritäten im Team, bei der Erläuterung des Vorgehens gegenüber dem Betroffenen und den Angehörigen, und bei der Kooperation mit anderen Fachexperten bzw. den Hausärzten und der Gemeindepflege. Betrachtet man die Liste der Lernziele eines englischsprachigen Curriculums für Palliative Care, so bilden "psychological skills" nahezu das Rückgrat des gesamten Curriculums.

Im Vortrag sollen aber auch andere Aspekte der Psychologie in der Palliative Care diskutiert werden, die immer wieder zu Problemen führen können:
Welches Ausmass an psychologischer Selbsthygiene ist notwendig, um gegenüber Schwerkranken und Sterbenden "energetisch" hilfreich zu sein bzw. zu bleiben ?
Wieviel emotionale Intelligenz ist in der Palliative Care notwendig, und – gilt das nur für diesen Bereich des Gesundheitswesens?
Wieviel psychologische Kompetenz ist lern- bzw. lehrbar, und welche Lernmethoden in Palliative Care sind hierfür hilfreich, aber ggf. auch kontraindiziert ?
Und noch brisanter: welches Ausmass an Psychotherapie ist bei Schwerkranken sinnvoll, gibt es hier auch Toxizitäten ?

Es ist eindeutig, dass dieses Referat nur Denkanstösse geben kann, mit dem klaren Ziel, die Psychologisierung der Palliative Care ebenso zu vermeiden wie die Medikalisierung.